Suesskind Fortschritt LX, Stand-Lautsprecher

Welche Händler auch zur Zeit der Corona-Krise Suesskind zuhause präsentieren, erfahren sie hier.

Mit Prophezeiungen sollte man vorsichtig umgehen. In der Regel straft die Wahrheit die Vorstellung über die Zukunft Lügen. Auch der Autor hat sich beim Blick in die Glaskugel schon kräftig verhauen. Aber jetzt ist er sich ganz sicher: Die Lautsprecher von Suesskind schaffen jetzt den Durchbruch. Den Grund liefert dieses Modell:

Das Paar kostet 6.000 Euro. Nur…

Es sind gleich mehrere Gründe, die den Lautsprecher Fortschritt LX nach oben katapultieren dürften: Da ist endlich mal wieder ein wirklich schlanker, wohnraumfreundlicher Lautsprecher, der deutlich größere Klangbilder akustisch »malen« kann, als seine bescheidenen Proportionen es erahnen lassen. Wenn Gäste kommen, Musik spielt und die Herrschaften fragen, wo denn eigentlich die »richtigen« Boxen stehen – dann könnte der Fortschritt eingeläutet, sorry : aufgestellt sein. Und: Die Box hat Joachim Gerhard erdacht. Der hatte schon zu seiner Zeit bei Audio Physic ein Faible für extrem schlanke Kreationen. Was ihn nicht hinderte, mit seiner zweiten Firma »Sonics« konventionelle Kisten mit Abmessungen, die typisch für die 1980er-Jahre waren, zu kreieren. Ich glaube, Gerhard hatte den Trend zu Vintage und Nostalgie früh erkannt und mit den Mitteln dieses Jahrtausends aufgegriffen. »Audio Physic« gehört ihm lange nicht mehr und »Sonics« ist Geschichte.

Aller guten Dinge sind drei Suesskind ist Joachim Gerhards drittes Firmenkind und dieses Mal könnte eine Box wie die Fortschritt LX »durch die Decke gehen« . Sie sieht von vorne, von hinten und von der Seite bezaubernd aus. Ästhetisch und technisch zugleich. So fällt der 32 Millimeter messende Hochtöner mit einer Membran von Dr. Kurt Müller sofort ins Auge. Ein feines Teil, und dahinter verbaute Gerhard einen stattlichen Neodym-Antrieb. Dieses Hinterland »sehen« auch die von Scan-Speak gefertigten Mitteltöner mit einer außergewöhnlich geringen Masse von nur 2,6 Gramm und einer Membran aus Glasfaser.

Die Bässe stammen von Peerless (auch eine sehr gute Adresse). Pfiffige Teile, denn die nach außen gewölbte Membran und die innen liegenden Magnete erlauben überhaupt erst den Einbau in das nur zwölf Zentimeter breite Gehäuse. Je zwei dieser potenten Flachmänner arbeiten im sogenannten Push-Push-Modus in beiden Schallwandlern.

Die um 2000 Euro günstigere Fortschritt (ohne LX) begnügt sich übrigens mit einem Hochtöner aus fernöstlicher Fertigung und kommt auch mit einfacheren Bauteilen in der Frequenzweiche daher. In der LX wird geklotzt und nicht gekleckert – unter anderem mit Luftspulen und einfach hochwertigeren, strenger selektierten Widerstän- den und Kondensatoren.

So wird man fortschrittsgläubig Ohne die reguläre Fortschritt gehört zu haben : Ich plädiere auch so für die aufwendigere LX. Denn der akustische Reiz liegt in deren umwer- fender Präzision, davon möchte ich nichts missen, unter keinen Umständen. Okay, einige Einschränkungen müssen wir der Fairness halber schon auflisten: An erster Stelle: Seien Sie bei der Auswahl von Quell-Geräten und Verstärkern nicht allzu geizig. Ich versuchte beispielsweise einen Consumer- Verstärker von Yamaha (eigentlich ganz okay, gutes HiFi) und fand die Performance f-ü-r-c-h-t-e-r-l-i-c-h an der LX. Was andere Boxen gutmütig »wegstecken« , nahm der Fortschritt direkt übellaunig auf. Ein guter Vollverstärker, eine akkurat reproduzierende Komponente vorneweg (Tipp: Elac Discovery) – und schon funzt es. Ein noch besserer Amp, erlesene Quellen – Plattenspieler oder CD-Player – und du hebst förmlich ab und rennst pausenlos an die Stellen, wo längst ausgemusterte Vinyl- oder Polycarbonat-Scheiben ausharren. So geschehen. Und ein Großteil der zu Unrecht abgestraften Tonträger durfte wieder zurück ins HiFi-Leben.

Was gefiel: In keiner Konstellation und Konfiguration schmälerten raumakusti- sche Probleme die Darbietungen. Das ist die positive Seite der schlanken Bauform. Die negative: Obwohl die hübsche Säule verhältnismäßig tief abgestimmt wurde, setzt die Physik Grenzen, die auch ein Genius wie Joachim Gerhard nicht verschieben kann: Die Fortschritt LX kann durchaus »laut«, aber für Rocker, die es richtig krachen lassen wollen, ist das zarte Wesen nicht gebaut.

Kein Krawallmacher Wer nur mit ordentlich Pegel seine High-End-Sucht befriedigen kann, wird mit der Fortschritt LX nicht happy. Klang-Gourmets, die sich daran erfreuen, mittels Analyse von Klangfarben verschiedene, sehr ähnliche Instrumente zu bestimmen, dürften vom Fortschritt begeistert sein. Das Kunststück der Differenzierung beherrscht die Suesskind mit traumwandlerischer Sicherheit. Ach so, daran ist Ihnen gelegen, wenn Sie abends Ihre Anlage anwerfen: Sie wollen entspannen, den Alltag hinter sich lassen, Kraft schöpfen und einfach nur Spaß an Musik haben. Mit einer kleinen Box große Töne zaubern. Keinen Ärger mit der besseren Hälfte riskieren, der Ungetüme im Telefonzellen-Format ein Dorn im Auge sind. Wenn Sie diese Suesskind erwerben, wird sie denken, dass Sie es für sie getan haben. Lassen Sie sie in diesem Glauben.

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