HMJ 1, DIY-Kompakt-Lautsprecher von Joachim Gerhard

Den Lautsprecher, den Sie hier sehen, gibt es eigentlich nicht. Er ist vielmehr die Vision einer individuellen »Selbstbau-Box« für kompromisslose High-End-Freaks abseits der DIY-Szene. Mit Ihnen und Joachim Gerhard in den Hauptrollen.….

Inzwischen gibt es den Easy-DIY-Lautsprecher exklusiv im HiFi-& Musik-Shop zu kaufen. Aber zunächst die komplette Story. Über einen Lautsprecher, der Sie klanglich abheben lässt.

Hier der Prototyp, die aktuelle HMJ 1 weist eine „astreine“ Front auf.

Diese Idee geisterte schon geraume Zeit in meinem Kopf herum. Die Idee von einem ganz bestimmten Lautsprecher, kompromisslos in Klang und Ästhetik und dennoch individuell in seinen Gestaltungs-Möglichkeiten. Und, last but not least, technisch und preislich bis zum letzten Cent nachvollziehbar. Du hast diesen Traum? Der lässt sich leicht verwirklichen. Ganz einfach, in dem du diesen Lautsprecher selbst baust.

Handwerklich eingeschränkt Die absolut muntere und auch integere »Do It Yourself«-Szene lebt und lädt Interessierte natürlich ein. Baupläne, oft erdacht und gemacht von richtig guten Entwicklern, gibt es im Netz und vorzüglich gemachten Print-Objekten.

Mit meinen zwei »linken Händen« gehöre ich leider nicht zu deren Zielgruppe. Meine handwerklichen Fähigkeiten sind – offen gesagt – streng limitiert. Mit einem Lötkolben kann ich schon umgehen, aber als Schreiner wäre ich die totale Fehlbesetzung. Selbst wenn nicht, was ich hätte ich damit gewonnen? Wie kann ich denn erkennen, dass sich meine Vorstellung von Räumlichkeit und tonaler Richtigkeit auch mit meiner Hände Arbeit realisieren lassen?

Ich habe allerhöchsten Respekt vor vielen Entwicklern auf dieser Erde. Beispiel weise vor Roland Gauder, dem leider viel zu früh verstorbenen David Wilson, neuerdings vor Jürgen Strauss natürlich, Sascha Reckert finde ich klasse – die Liste ist lang. Was die »Mitglieder« dieser imaginären Liste eint, ist deren unbedingter Wille, den Idealen der High Fidelity zu folgen und Klang nicht zu einer beliebigen Ware zu degradieren. So wie auch Joachim Gerhard, einst dem Erfinder der Weltmarke »Audio Physic«, später Sonics und nun »Suesskind«. Was ich an Gerhard so schätze, neben seiner Vorstellung von tonaler Richtigkeit in der Pflicht, ist seine außergewöhnliche Interpretation von »Räumlichkeit« in der Kür. Gerhard schaffte und schafft mit seinen Kreationen extrem realistische Bühnen, ohne dabei in verbotene Fächer einer Trickkiste zu greifen. Kunst kommt eben von Kön- nen und Joachim Gerhard ist einfach ein begnadeter Könner.

Ich komme mit ihm ins Gespräch, wir lachen, hören Musik, lassen uns davon begeistern und irgendwann – zu später Stunde – verwandelt sich der Traum in ein ernsthaftes Projekt.

Optik darf, Klang muss 

Zu dem gehört zwingend, dass ich (und vielleicht auch Sie, lieber Leser) selbst über die finale Optik enscheiden möchte und im Rahmen meines handwerklichen Geschicks auch umsetze. Dabei muss klipp wie klar sein, dass sich jedweder Eingriff in klangrelevante Teile verbietet. Die sind unveränderbar und nicht zu diskutieren. Aber wie kann das im wahrsten Sinne des Wortes ausschauen? Die Front des Traumwandlers, sind wir uns schnell einig, muss aus dem Vollen gearbeitet sein und sollte unbedingt reflexionsarme Kanten aufweisen. Eiche? Ja klar. Ist »astrein« auch ein »muss« oder wäre auch eine günstigere Version zumutbar? Das Auge hört bekanntlich mit, gehen wir besser keinen Kompromiss ein. Den Korpus indes sollte es in zwei Varianten geben, einmal unbehandelt, einmal furniert. Den könnte man beispielsweise – wie auch die Front – nach eigenem Geschmack ölen oder furnieren, mit Glas bekleben und und und. Und erst wenn das geschehen ist, werden Korpus und Front mit Silikon »verheiratet«. Das kann jeder, das kann ich also auch.Okay, das Thema wäre denn abgehakt.

Box und Stand bilden Einheit 

Dass das Boxen-Baby als Zweiwege-System auf die Welt kommen sollte, war übrigens von Anfang an unstrittig. Nicht zu klein, nicht zu groß und von allen Seiten »schön«. Da das avisierte Gehäusevolumen physikalische Grenzen im Tieftonbereich setzte, freundete ich damit an, die noch namenlose Box als Bass-Reflex-Konstruktion zu akzeptieren. Doch wohin mit der nun notwendigen Öffnung? Vorne oder hinten? Weder noch.

Die entsprechende Gehäuse-Aussparung findet sich auf der Korpus-Unterseite und erfordert somit zwingend einen dafür ersonnenen Ständer. Der wiederum ohnehin zu meinen Traum-Schallwand- lern gehörte. Er sollte optisch und natürlich auch vom Material her zum Lautsprecher passen und ebenso individualisiert werden können.

Nur wer sich optimal vor einem Lautsprecher mit einem gigantischen Potenzial an räumlicher Auflösung platziert, kann dieses auch ausschöpfen. In der Konsequenz soll es den »Stand« in zwei Höhen geben: einen fürs eher niedrigere Sofa, den anderen für einen hohen Sessel oder Stuhl. Dass es auf der Boxenrückseite kein Bi-Wiring-Terminal, sondern zwei massive, klassische Knebel für Kabel jeden Querschnitts geben würde, hatten wir schnell vereinbart. Und auch im Grundsatz schon, dass für die notwendige Frequenzweiche keine Platine eingeplant werden sollte: Wenn möglich, sollten tunlichst wenige, aber hochwertige Bauteile frei verdrahtet ihren Job verrichten.

Aus Freude am Hören 

Deren Lötstützpunkte aus Messing sowie die Bohrung für die Spule sind auf einem mitgelieferten MDF-Brett bereits vorbereitet. ((Anmerkung: Letztlich haben wir uns entschieden, die Weiche schon fertig gelötet auszuliefern – wir wollten kein Risiko eingehen…)) Ebenso die notwendigen Kabel in den passenden Längen und selbstredend alle weiteren Ingredienzen.

Einige Wochen später: Erster Sound- Check der Traum-Box. Joachim Gerhard hatte mit einer Kombination aus Seas -Hochtöner mit einem recht seltenen, aber erlesenen Tieftonchassis von Wavecor ein akustisches Meisterwerk kreiert. »Die beiden Treiber harmonieren exzellent, so dass wir tatsächlich den Plan umsetzen können, die Weiche mit wenigen guten Zutaten zu bauen« , freute sich der Meister.

Was folgte, war mühsame Detailarbeit und gleichzeitig ein Riesenspaß. Das Hören von Bauteilen und das sich langsame und gleichwohl zielführende Herantasten ans Endergebnis möchte ich nicht missen.

Doch meine »richtige« Arbeit stand noch bevor: Mit zunächst leicht zittriger Hand griff ich dennoch beherzt zum Lötkolben und begann behutsam, die Frequenzweichen nach Vorgabe aufzubauen. Das dauerte schon ein paar Stunden, bereitete aber keine ernsthaften Probleme. Auch die Bearbeitung von Korpus und massiver Front sowie das Einbauen der Treiber und der Lautsprecher-Knebel sind allesamt Tätigkeiten, die an einem Wochenende zu stemmen sind.

Je nachdem, welches Finish man der Box spendieren möchte, kann dessen Bearbeitung schon ein wenig dauern. Denkbar ist ja auch, fremde Kräfte wie Lackierer oder andere Gewerke mit einer individuel- len Wunsch-Lösung zu beauftragen. Wer es nicht abwarten kann, greift zum mitgelieferten »Öl«.

Und wenn alles fertig ist, folgt etwas, was emotional nur schwer zu fassen ist: Der Lautsprecher gibt seine Premieren-Vorstellung, der Traum wird Realität.

Universal-Talent 

Der kann sich auch bei Ihnen verwirklichen. Sie müssen nur selbst Hand anlegen, sonst wäre er schlicht zu teuer.

Da der Lautsprecher für Verstärker keine allzu große Last darstellt, darf er auch mit recht leistungsschwachen Vertretern verbunden werden. Obschon die kompakten Teile erst mit hoch auflösenden Quellen und ebensolchen Amps ihre Existenz zu rechtfertigen wissen. Dann spielt er los und deutlich größer auf, als seine

immer noch moderaten Abmessungen vermuten lassen. Wer beispielsweise Freunde verblüffen möchte, greift zu »The Secrets of the Unicorn : The Duel« , einem span- nungsgeladenen Track der famosen Scheibe »Across The Stars«, auf der Anne-Sophie Mutter Klassiker aus Filmen geradezu betörend, den Atem raubend, interpretiert.

»Wo hast Du eigentlich den Subwoofer versteckt?«, lautete der Kommentar eines Branchen-Insiders, der um die vermeintlich »geschlossene« Box schlich und das Gehörte und Gesehene einfach nicht in Einklang bringen konnte. Dass Lautsprecher mit dieser Technik und Performance nicht billig sein können, versteht sich. Wird dieser auch nicht. Aber im besten Sinne »preiswert« . Interessiert ? Dann mailen Sie mir (jpfeiffer@prixmedien.de).

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