Suesskind BEO LX, Stand-Lautsprecher

Welche Händler auch zur Zeit der Corona-Krise Suesskind zuhause präsentieren, erfahren sie hier.

Mit dem Lautsprecher Suesskind Beo LX beginnt für viele Audiophile vielleicht eine neue Zeitrechnung: Der erste höchstauflösende Schallwandler, der nicht nach Box klingt, feiert Premiere. Der Traum vom idealen Lautsprecher ist auf einmal ganz nah.

Beo ab 13.000 Euro, Beo LX ab 17.000 Euro

W ie oft wir uns die Geschichte schon erzählt haben. Eine harmlose Geschichte, 30 Jahre ist sie alt. Ziemlich exakt sogar. Wenn die beiden Joachims (Gerhard und Pfeiffer) sich also treffen, erinnern wir uns daran und lächeln. 1988 hatte der eine Joachim noch so gut wie keine Kunden, der andere keine Leser.

Der Guru hatte geladen HiFi Thelen in Wuppertal war damals eine echte Instanz. Wenn Meister Matthias rief, strömten die Fans aus dem Bergischen Land in sein feines Hörraum-Atelier im noch feineren Briller Viertel, um die damaligen Traum-Objekte wenigstens hören zu dürfen. Von der Lautsprecher-Marke, die an diesem Tag auf dem Programm stand, hatten weder ich noch die anderen Gäste vorher sonderlich viel vernommen, eigentlich gar nichts: Audio Physic. Statt eines abgeklärten, ausgebufften Product-Managers lernte die versammelte Gemeinde einen besonderen, durch und durch authentisch daherkommenden Menschen kennen: Joachim Gerhard. Der war einfach anders drauf als die damals so bekannten »Nasen«, hatte nicht den gerings- ten Anflug von Arroganz und präsentierte mit einer wirklich sorgsam abgestimmten Elektronik einen genauso einzigartigen Lautsprecher: die Audio Physic Avanti. Deren Proportionen schienen kein Vorbild zu haben: sehr schmale Front und ausladende Tiefe. Sah total schick aus. Und klang anders als der Mainstream jener Tage. Echt, hochauflösend – vielleicht in seiner Ehrlichkeit zu früh für die damaligen Frontends, insbesondere CD- Player. Tags darauf traf ich Joachim Gerhard im Ladengeschäft von Matthias Thelen. Man fachsimpelte und dann geschah es: Gerhard bat mich, ihm Starthilfe für sein ultra-abgenudeltes Auto zu geben. Was eigentlich null Problem war, aber in der realen Situation leider doch. Der Gerhard’sche Schrotthaufen parkte an einer unmöglichen Stelle und mein nun seitlich abgestellter Batterie-Spender blo- ckierte das Einfallstor in die Wuppertaler Innenstadt. Keine Ahnung, wie lange die Starthilfe dauerte, 30 Minuten auf jeden Fall. Gerhard lachte, das Lachen übertrug sich auf mich und Wuppertal war durch unsere Aktion lahmgelegt.

Weshalb erzähle ich das. Ich kenne nur sehr wenige Men­schen in der High Fidelity, die so geradlinig und echt rüber­ kommen wie Joachim Gerhard.

Geniestreiche am laufenden Band Wir schweifen ab, und wie … Zurück zum eigentlichen Thema, dem modular aufgebau­ten Suesskind Beo LX, der sich vom formgleichen Modell Beo (auf diesen Seiten abgebildet) durch eine – und falls gewünscht sogar durch zwei – Besonder­ heit(en) abhebt. Suesskind ist übrigens die aktuelle Firma Gerhards. Da er ein ausgemachter Fan von Breitbandigkeit und ebenso ein Feind von Verzerrun­gen ist, thront in der LX­Spitze ein Hochtöner mit einer leichten und höchst effizienten Membran aus Beryllium. Was dann wiede­ rum gegenüber der Standard­ Version zu einer Neu­bestückung der ohnehin schon aufwendi­gen Frequenzweiche führte. Das mit allen Schikanen verstrebte Gehäuse aus »baltischer Birke« wird übrigens auch in der Normal­version verwendet. Die zweite aufpreispflichtige Finesse findet sich zwischen den Modulen: Pneumatische Füße, konstruktiv ganz nah am Flummiball aus Kindertagen, wollen die obere Kammer quasi schweben lassen. Ver­kneifen Sie sich ein Lachen. Wenn Sie das einmal installiert haben und dann wieder auf 08/15­Untersetzer wechseln, werden Sie garantiert auf die Ball­-Lösung zurück­ switchen.

Die Beo LX ist ein Geniestreich. Unbe­schadet des Preises einer der besten Lautsprecher, den ich jemals hören durfte.

His Master’s Voice. Jetzt zum ersten Mal richtig! Dass mit der LX ein durch­ weg neutraler und präziser Lautsprecher aufspielt, erkennt ein halbwegs Hör­erfah­rener mit den ersten Takten. Und dass der Tiefton­bereich, den Gerhard »Air Bass« taufte, ordentlich hinabsteigt, ohne wie bei vielen konventionellen Bass­reflex­ Konst­rukten zu schmieren oder an Differenzie­rung einzubüßen, vermittelt sich mit einigen für spektakuläre Tiefton­-Orgien bekannten und berüchtigten Aufnahmen rasch. Genial und in dieser Selbstver­ständlichkeit noch nie zuvor (über einen Lautsprecher) gehört, ist hingegen die überraschende Wiedergabe menschlicher Stimmen. Eine natürliche Stimme klingt eigentlich nie wie eine, die über eine Box wiedergegeben wird. Je höher die Auf­ lösung des Schallwandlers, desto eher minimieren Artefakte, Verzerrungen und Co. die Illusion des Echten. Genau in dieser Disziplin stellt die Beo LX bis dato Erreich­tes ins akustische Abseits: Trotz ihrer atemberaubenden Auflösung (oder gerade deswegen?) bleibt die Stimme mit ihrem individuellen Facettenreichtum wahrhaf­tig und unverletzt.

Große Oper inklusive Das grenzt keine Stimmlage aus: ob Sopranistin, ob Alt, ob Bariton, Bass oder ein kompletter Chor: Wer diese Anmut und Energie erlebt, wird demütig und dankbar. Erlebnisse auf die­sem Niveau gehen normalerweise gehörig ins Geld und können schon mal sechs­stellige Beträge binden. Mit der Suesskind Beo LX verhält es sich – dem Himmel und Joachim Gerhard sei Dank – nicht so.

Ein wenig Sorgfalt sei bei der Wahl der Elektronik schon empfohlen: Die extreme Auskunftsfreudigkeit der Beo LX verlangt nach Verstärkern und Quell­geräten auf höchstem Niveau. Selbstredend rechtfer­tigt die LX den Erwerb einer formidablen Top­kombi aus Vorstufe und Endverstär­ker. Aber sie fühlt sich auch in ihrem Ele­ment, wenn ein richtig guter Vollverstärker, ob Röhre, Transistor oder Class D, mit ihr verbunden ist. Nur »gut« muss er eben sein, beispielsweise der RG 14 von Symphonic Line (das funzt) oder der Audionet »Watt«, der die Charakteristik der LX auch verstär­kerseitig exzellent spiegelt. CD­Player? Why not. Liebhaber der von einem gewis­sen Michael Swoboda getunten Player wer­ den, falls sich ihnen der tiefere Sinn der Modifikation unter anderen Boxen­ Bedingungen noch nie so richtig erschloss, laut jubilieren. Genauso wie all die Verrückten, die befürchteten, dass sie viel zu viel Geld für ihren CD­-Abspieler bezahlt hatten. Jetzt dürfen Sie aufatmen: Es hat sich also doch gelohnt.

Wahre Geniestreiche sind selten. Schon deshalb, weil es ein Genie braucht, um sie zu schaffen. Joachim Gerhard ist eines.

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