Meridian 808, CD-Player

Obwohl schon ein paar Jahre im Markt, lässt sich der Top-CD-Player von Meridian auf den letzten Stand nachrüsten. In der jüngsten Ausbaustufe verarbeitet er auch das neue MQA-Verfahren. Aber darauf kam’s nur in zweiter Linie an.

Welche Händler trotzder Corona-Krise Meridian bei Ihnen zuhause präsentieren, erfahren sie hier.

Sie sind etwas ins Abseits geraten, spielen aber das am weitesten verbreitete Format, die in den 1980er-Jahren erfundene CD, ab. Der Meridian 808 ist ein Klassiker, der im Laufe der Jahre mehrmals optimiert wurde. Unter Fans besonders begehrt: Das 40th-Anniversary-Modell.Die aktuelle, mit MQA versehene Version kostet 12000 Euro. 3000 Euro das Aufrüstpackage für ältere 808.

Die Runde war sich einig, auch wenn mit Widerspruch hätte gerechnet werden können: Holger Hettinger, Musikchef von Deutschlandfunk Kultur, diskutierte mit Günter Pauler vom Label »Stockfisch«, Jürgen Timm, Vorstandsmitglied der High End Society, und dem Herausgeber des »HiFi & Musik Journal« über ein kontroverses Thema.

Die Renaissance des guten Klangs lautete der Titel der dreistündigen Sendung im Deutschlandfunk Kultur. Und maßgeblich drehte sich alles um ein Thema, das derzeit für Furore sorgt: MQA (Master Quality Authenticated) ist ein von Meridian-Master- mind Bob Stuart entwickelter, evolutionärer Pfad, Audiodateien so geschickt zu verpa- cken, dass sie im sparsamen »CD-Format« immer noch die Daten reproduziert, die ein echtes »Master« ausmachen. Beispielsweise 192 kHz bei einer digitalen Wortbreite von 24 Bit. Wie soll das gehen?, lamentieren die einen; einzig wichtig sei der Klang, argumentieren Befürworter – denn der sei groß artig. Wobei es Labelchef und Tonstu- dio-Spezialist Günter Pauler auf den Punkt brachte: Wenn MQA schlicht nicht »anders« als seine hochauflösenden Master-Einspielungen klänge, gehe Meridians Verpackungs-Trick wohl in Ordnung. Bedenkenträger fragen sich indes, ob es überhaupt noch ein Verfahren braucht, das »nur« auf 16 Bit Flac Lossless basiere. Wer wolle, der könne die vollen Datenbreitseiten mit High-Resolution-Files via Streaming im heimischen Wohnzimmer abfeuern. Übersehen werden bei dieser Betrachtung gleich eine Reihe von Stolpersteinen und Fallstricken: Wer Hi-Res aufbereiten möchte, benötigt grundsätzlich entsprechende, diese Formate auch verarbeitende Komponenten.

MQA indes klingt zwar erst mit darauf abge stimmten Decodern optimal, zeigt aber seine akustische Überlegenheit auch schon dann, wenn ein konventioneller Digital-/Ana- logwandler aus schnöden Daten schöne Töne fabriziert. Mit anderen Worten: Um den MQA-Benefit zu erleben (zumindest fünfzig Prozent davon), reichen also die bisherigen D/A-Konverter, wie sie in jedem hundsnormalen CD-Player werkeln, schon aus.

Aus Schaden wird man klug – oder?

Hinzukommt: Wer die gigantischen Daten- pakete mit High-Resolution-Content frei von Aussetzern streamen möchte, benötigt eine Netz-Infrastruktur vom Allerfeinsten. Und da geht es nicht nach dem Motto »Wer will, der kann«, sondern »Wer lebt so privilegiert, dass Telekom und Co. entsprechende Lei(s)tungen vorhalten?«. Willkommen in der High-End-Nische. Und mobil, sei hinzu gefügt, geht aktuell die High-Resolution-Rechnung erst recht nicht auf. Über diese Hürden springt MQA. So überzeugend und antrittsstark im Markt, dass vollständig das MQA-Signal dekodierende Wandler-Bau- steine bereits in Smartphones impleme tiert werden. Das Topmodell von LG lockt mit diesem Benefit. MQA ist massentaug- lich, es bringt Musik mit einer deutlich verbesserten Qualität auf Wegen zu den Hörern, die bis dato nur für minderwertige Übertra-gung mit Daten-kastrierten Formaten taugten. Dafür allein müsste man Bob Stuart die Füsse küssen. Dass er eben nicht »wieder« ein exotisches, von wenigen Enthusiasten gefeiertes Verfahren etabliert. Eines, das dem frühen Tod oder dem späteren Vergessen geweiht ist.

Das bekannte CD-Format mit seinen vermeintlichen Limitierungen ist also nichts anderes als ein Steigbügelhalter für MQA. Es ist ohnehin besser, als der Ruf es vorzugeben scheint: Wenn Geld keine Hardware-Beschränkungen zulässt, schließen CDs und High-Resolution-Files gleich auf. Genau dieses Resultat bescherte eine ebenso gesendete Diskussion mit Tonmeistern und Toningenieuren vom Deutschlandradio, in der wir die unterschiedlichen Formate CD, High-Resolution und Vinylscheibe direkt miteinander verglichen (siehe auch Audio & Flatscreen Journal, Ausgabe 6/16). In diesem Beitrag gab übrigens Accuphase mit der Kombin tion DP 900/DC 901 den überragenden CD-Vertreter. Merke: Das Format für sich genommen ist nicht ausschlaggebend. Einen entscheidenden Anteil üben die abspielenden Komponenten aus. Nur wenn die Hardware stimmt, kann die Software auftrumpfen.

Nach Meridians »Ultra Dac«, folgte im nahezu identischen Referenz-Gehäuse die digitale Vorstufe Meridian 818, die dann auch im Deutschlandfunk Kultur eingesetzt wurde. Beiden gemein ist die MQA-Sektion. Selbige kann natürlich auch im bestens beleumundeten CD-Player Meridian 808 integriert werden. Im aktuellen Modell-Jahr- gang ist sie bereits enthalten, in den älteren kostet ein Upgrade 3000 Euro. In Anbetracht der Fülle aktuell angebotener Alben allein über Tidal, demnächst – so Bob Stuart – auch über Deezer, geht der Preis in Ordnung.

Dieser 808 ist wenig aus dem Fokus geraten, der Autor erinnert sich lebhaft an einen frühen Test mit Leserbeteiligung im Jahre 2006. Damals fuhr der Meridian eine stolze Punktzahl ein, doch eben die Leser wollten sich mit dem Briten nicht so recht anfreunden und votierten letztlich für einen gold-schimmernden CD-Beau aus Japan. Es muss sich binnen der letzten Jahre viel getan haben. Abseits der MQA-Thematik wusste gerade die CD-Abteilung im 808 so zu überzeugen, dass ihr ein Artikel zu widmen war. Audionet hatte mit der Kombination Planck mit Zusatz-Netzteil Ampere die Messlatte für CD-Spieler in der (aller)letzten Ausgabe Audio & Flatscreen Journal 4/17 ganz schön weit nach oben gelegt. Darüber scheint der Meridian 808 überhaupt nicht springen zu wollen – er setzt an anderer Stelle an und definiert CD-Klang auf seine eigene, sehr überzeugende Art und Weise.

In vielen Hörtests schien er wie ein Zwitter zu agieren: Als ob er die Gene der legendären Wadia-Player mit ihren speziellen, zeitoptimierten Filtern (Spline) und die einer weiteren, raren Legende, dem Spectral SDR 1000, geerbt hätte. In diesem Spectral schien die CD immer eine Winzigkeit »schneller« zu rotieren, so zupackend und anmachend zelebrierte dieser Wahnsinns-Spieler jegliche Silberscheiben. Ein perfekter Illusionist, ein magisches Gerät.

Diesen Zauber verbreitete auch der Meridian 808 in seiner jüngsten Ausbau-Stufe. Er trat niemals auf eine imaginäre Bremse, er machte Dampf und Tempo. Wie Sie das merken? Ganz einfach: Viele Rock- und Pop- Songs foltern mit einem episch langen Vorspiel – erst wenn die Stimme einsetzt, gewinnt man den Eindruck: Jetzt geht’s end- lich los. Kennen Sie bestimmt zur Genüge.

Leihen Sie sich doch mal übers Wochenende diesen 808 aus und vertrauen ihm diese Langweiler an. Garantiert werden Sie am späten Sonntagabend darüber nachdenken, diesen Player zu kaufen. Sehen Sie es ihm nach, dass die Schublade hinter der schnie- ken Front aus Plastik ist oder besser: Sehen Sie darüber hinweg.

Erfreuen Sie sich an Ihren CDs. Erleben, erfahren und bewerten Sie Ihre komplette Sammlung neu. Was bisher schon sehr ordentlich klang, wird Sie mit dem Meridian »umhauen«. Bestellen Sie beispielsweise Interpreten wie Chris Jones oder Sara K ein und staunen Sie, mit welcher Akribie, mit welchem Geschick ein Sound-Künstler wie Günter Pauler diese Singer-Songwriter produzierte. Der 808 nimmt Sie mit solch begnadeten Einspielungen mit ins Studio. Oder tauchen Sie abin die weite Welt der Klassik. Wagner erschöpft Sie? Einige Wochenenden nach dem ersten Rendezvous mit dem Meridian könnten Sie sich ja mal den kompletten »Ring« vornehmen. Gut, vorstellen kann sich das nur derjenige, der den Meridian in seinem Audio-Equipment einsetzen konnte. Last but not least dechiffriert 808 auch MQA. »Streaming« und CD-Wiedergabe in friedlicher Koexistenz, eine gute Mischung. Im konkreten Fall besorgte der kleine, aber clevere und mit nur 1000 Euro recht günstige Elac Discovery die Strea- ming-Zubringerdienste. Wer mehr will – kein Problem. Meridian und andere High-End-Manufakturen mit Rang und großem Namen kredenzen mittlerweile ein opulentes Angebot. Am Ende zählt nur eins: Das Wichtigste ist die Musik. Gut, dass Bob Stuart sich dieses Leitmotiv zu eigen machte.

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