Keces P 3, Universalnetzteil

Von vorne »hui«, dahinter »pfui«: Noch ohne einen Ton gehört zu haben, verrät ein kritischer Blick auf die verwendeten Steckdosenleisten und deren Bestückung, welch’ HiFi-Geistes Kind der Anlagen-Besitzer ist. Machen sich hier womöglich eine oder sogar mehrere der berüchtigten Stecker-Netzteile breit, hätte ich einen Tipp. Welche Händler Keces auch in der Corona-Krise liefern.

Saubere Sache, fairer Preis: 300 Euro

Gratwanderungen führen mitunter zu Abstürzen oder Höhenflügen. Manchmal geschieht auch einfach nur eins, nämlich »nichts«. Viel Geld verpulvert für null Gegenwert. Wenn Zubehör verspricht, den Klang zu verbessern, ist Skepsis stets ein guter Begleiter. Tummeln sich doch Esoteriker und seriöse Entwickler in ein und demselben lukrativen Markt. Neben größtem Schrott und banalstem Mumpitz finden sich aber immer wieder durchdachte Produkte, deren Kauf zu einer nachhaltigen, validen Veränderung im Sinne einer Verbesserung führen kann.

Ersatzteil auf Lager So wie dieses Keces P 3. Es ersetzt die berüchtigt billigen Stecker-Netzteile und will mit einem sauber aufbereiteten Gleichstrom die damit verbandelten Geräte akustisch auf ein neues, besseres Niveau liften. Öffnet man den massiven Deckel und wagt einen Blick ins wohl befüllte Innere, wächst Vertrauen. Ins Auge fällt ein mächtiger Ringkern-Transformator mit hoher Masse und offensichtlich geringem magnetischem Streufeld. Acht ordentliche Kondensatoren und eine sauber gearbeitete Platine sowie eine standesgemäße interne Verkabelung nähren den Vertrauens- Vorschuss: Klar, so baut man ordentliche Elektronik. Es könnte sich auch um die Peripherie einer feisten Endstufe handeln, dient am Ende aber nur, sauberen Gleich- strom in den üblichen Varianten 12, 15 und 16 Volt parat zu stellen. Im Falle des P 3 für exakt 399 Euro gleich zwei Mal.

Somit lassen sich also zwei Komponenten, die durchaus unterschiedliche Spannungen einfordern, gleichzeitig anschließen. Perfekt, oder? Und wenn man noch ein gutes Netzkabel zwischen Steckdose und P 3 spannt, selbstverständlich vorher die Phase checkt, kann die Investition in das Keces doch nie und nimmer falsch sein. Die Antwort lautet zusammengefasst »jein«. Aber schön der Reihe nach.

Die Frage ist doch: Weshalb werden überhaupt »Stecker«- statt ordentlicher Netzteile offeriert? Darauf ist nun mal wirklich nur eine Antwort richtig: um Geld zu sparen. Niemand bietet also ein Gerät auf diesem Globus an und prahlt damit, dass er statt eines aufwendigen Power-Supplys ein geniales »Stecker« -Pendant verwendet. Und wer am Netzteil spart, dürfte in der Regel auch geizig mit dem Rest der Bauteile umgehen, um beispielsweise einen günstigen Preis zu erzielen. Das ist per se nicht ehrenrührig, hat aber mit High Fidelity oftmals nichts zu tun. Wir haben versucht, einer Reihe von sol- chen Komponenten mit einer Keces-Kur auf die akustischen Sprünge zu helfen. Vergeblich. Was mit Stecker-Netzteil nichts taugt oder nur eingeschränkt HiFi bietet, klingt auch mit dem P 3 nicht besser, in vielen Fällen nicht einmal »anders«. Ein Grund, weshalb wir auf ein absolutes Test-Ergebnis verzichten.

Ob Keces oder nicht, ist auch eine Frage der persönlichen Einstellung Voraussetzung für eine erfolgreiche Keces-Mission ist vielmehr der Einsatz einer – sagen wir mal – »Hybrid-Komponente«. Einem Gerät, das zwar mit Stecker-Netzteil daherkommt, aber ansonsten kompromisslos auf guten Klang getrimmt wurde. Und selbst damit gefällte Urteile sind nicht frei von Zweifeln. Betrachten wir Plattenspieler mit ihren kleinen, oftmals schwachen Motörchen. Was in aller Herrgotts Namen soll da ein Monster-Ringkern-Trafo im Keces P 3 bewirken? Ein Netzteil funktioniert entweder perfekt und wenn nicht, sollte es reklamiert wer- den – eine Einschätzung, die ich persönlich durchaus teile. Die bestbewertete Komponente in der letzten Ausgabe war ja der Plattenspieler AVM R 5.3, stolze 6000 Euro teuer, aber tatsächlich »nur« mit Stecker-Netzteil ausgerüstet (HMJ 1/19, ab Seite 48). Hat ihm aber überhaupt nicht geschadet. Dass die hohe Bewertung des AVM wirklich gerechtfertigt war, bewies unter anderem ein Vergleich mit einem sechsfach so kostspieligen privaten Plattenspieler eines Kollegen. Der AVM distanzierte diesen Dreher eindeutig – ja, mit diesem verdammten Billigheimer in der Steckdose.

Mehr Schmelz bitte Und dennoch kann ich im konkreten Fall nur empfehlen, die Stromzufuhr dem Keces P 3 zu überantworten. Der Unterschied ist subtil, aber eindeutig und nachvollziehbar. Wenngleich er sich in einer Disziplin zeigt, die ich nicht erwartete. Der Charakter des AVM, gezeichnet von springlebendiger Gangart, Groove, korrektem Timing, explosionsartigem Antrieb, wird via P 3 weder geliftet, relativiert oder gar geschmälert. Das ist gut so. Der Unterschied ist im doppelten Wortsinn »fein«. Insbesondere Stimmen wirken einen Hauch wärmer, natürlicher, authentischer. Immerhin sind die Differenzen so real, dass eine Aufzeichnung beider Varianten auf Tonband (38 cm/sek. Halbspur, eingesetzte Maschinen Studer A 810 und Tandberg TD 20 A) valides Beweismaterial konserviert und wiedergegeben hat. Das wollte beim zweiten Probanden, dem Streamer Elac Discovery, so nicht klappen.

Was sagen Sie dazu? Die Wiedergabe über ein Streaming-Portal wie Tidal ist von so vie- len Faktoren abhängig, dass letztlich die Stromversorgung des kleinen Kästchens eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch möchte ich auch hier zuraten, den P 3 zu installieren.

Zum einen kann nicht ausgeschlossen werden, dass das übliche Stecker-Netzteil womöglich andere Komponenten stört, zum anderen bewirkte die Langzeit-Beobach- tung doch eine sehr positive Einschätzung. Mit dem Clearaudio Performance DC (Test in Ausgabe JMJ 2/18) hat sich schon der nächste Plattenspieler zum Keces-Check angemeldet, wir werden darüber berichten. Teilen Sie uns doch auch Ihre Erfahrungen mit Keces mit.

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