iFi Audio Micro iPhono 2, Phono-Vorstufe

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Rund um den Globus erobert ein unscheinbarer Alu-Flachmann von iFi Audio die Herzen der Vinylfans. Klangliche Haute Couture zum Von-der-Stange-Tarif – was ist dran am Hype um die Phonovorstufe Micro iPhono2?

von Ulrich Michalik

600 Euro und doch Spitzenklasse?

Den Vorwurf unnötig großer Bescheidenheit müssen sich die Macher von iFi Audio wahrhaftig nicht gefallen lassen. Völlig ungeniert orientiert man sich in Sachen Verpackung und Design, Namensgebung und Marketing am wert-vollsten Unternehmen der Welt. Und auch was die inneren Werte angeht, besteht angeblich keinerlei Veranlassung, sich hinter dem großen Vorbild aus Cupertino zu verstecken. Schließlich genießt der geistige Vater des iPhono2, Thorsten Lösch, in Selbstbaukreisen einen Gurustatus nicht unähnlich dem des seligen Steve Jobs bei Computer-Nerds. Schon als viele das Internet noch für einen neuen Fernzug der Deutschen Bundesbahn hielten, machte sich der in der ehemaligen DDR aufgewachsene Tonmeister und Ingenieur der Elektrotechnik mit pfiffigen, oft ziemlich gegen den Zeit- geist gebürsteten Verstärkerschaltungen einen Namen.

Dass er den Spagat von der hehren Theorie hinab in die Niederungen profaner Praxis nicht scheuen musste, bewies Lösch mit diversen Kreationen für die britische Nobel- marke AMR, wo er mit der PH-77 unter anderem eine Phonostufe schuf, nach der sich selbst verwöhnteste Analoggourmets die Finger lecken. Freilich wird die Luft in den höheren Sphären des High-End-Marktes auch nachfragemäßig zunehmend dünner. Was Lösch und sein Team bewogen haben mag, mit iFi Audio ein Schwesterunternehmen aus der Taufe zu heben, das gezielt jene Klientel aufs Korn nimmt, die qualitativ frech gen Norden schielt, ohne die finanzielle Bodenhaftung der berühmten schwäbischen Hausfrau zu verlieren. Der probate Dreisatz konnte also, wie bei so vielen Unternehmen der Unterhaltungselektronik, nur lauten: Stückzahlen hoch,Lohn-und Stück- kosten runter, Fertigung in China. Daran ist nichts Ehrenrühriges, zumal Einkäufer, die en Gros operieren, nicht nur pekuniär ungleich vorteilhafter aus der Wäsche gucken. Nein, sie erhalten auch Zugriff auf Bauteileleckerbissen, von denen der klassische Kleinladen, der seine Widerstände, Elkos und Transistoren quasi einzeln abgezählt im Plastiktütchen erwirbt, in der Regel nur feucht träumen kann.

Womit halbwegs elegant der Bogen zum iPhono2 gespannt wäre. In dem nämlich werkelt anstelle der weit verbreiteten Feld- Wald-und-Wiesen-ICs ein relativ exotischer integrierter Operationsverstärker eines nicht näher spezifizierten japanischen Boutique-Herstellers. Leider wurde die Typenbezeichnung dieses angeblich gar nicht speziell für Audiozwecke entwickelten Vielfüßlers sorgfältig entfernt, wohl um Wettbewerb und Journaille das Dasein nicht unnötig zu erleichtern. Immerhin wird verraten, dass das Zurechtbiegen des Eingangssignals auf aktivem Wege erfolgt (CR-EQ), was im Vergleich mit Standard-Op-Amps und passiver Equalisierung deutlich geringere Verzerrungen bewirken soll. Passive Entzerrung realisiert Meister Lösch prinzipiell nur mit reinrassigen Röhrenschaltungen. Da das Verzerrungsverhalten des iPhono2 über das gesamte Frequenzband nahezu konstant bleibt und damit dem von Glaskolben schon recht nahe kommt, durfte die Marketingab- teilung das Ganze immerhin auf das griffige Kürzel »Class A TubeState« eindampfen.

Und wenn wir schon mal beim Thema Kürzel sind, es gibt auch längere Exemplare davon: »Direct Drive Servoless DC Infinity« etwa bedeutet, dass die gleichspannungsge- koppelte Schaltung ohne potenziell klang- beeinträchtigende Kondensatoren bzw. ver- zerrungsträchtige DC-Servos im Signalweg auskommt. Dankenswerterweise verkneift sich die aktuelle Version der iFi-Audio-Web- seite abstruse frühere Verheißungen wie einen Dynamikumfang von jenseits 110 Dezibel oder Fremdspannungsabstände, die man nur noch verbessern könne, kühlte man die Schaltung mit Flüssigstickstoff. Wo doch inzwischen jeder Dödel weiß oder wissen sollte, dass die Dynamik letztlich vom Eigenrauschen des Vinyls determiniert wird. Und da vollführen wir ja schon mentale Freudensalti, wenn uns unterm Strich zivile 40 bis 50 Dezibel vergönnt bleiben. Tipp: Verlegen Sie das lange dünne Verbindungs­äbelchen zwischen Gerät und Steckernetz­teil in möglichst großzügiger Entfernung zu allen signalführenden Strippen ; Brummeinstreuungen, von denen gelegentlich gebloggt wird, sind damit definitiv vom Tisch. Nettes Detail am Rande: Weil’s zwischen den vier Eingangsbuchsen und dem Erdschräubchen verflixt eng zugeht, findet sich in einem wahren Schmuckkästchen von Verpackung – der Schatulle eines Apple iPhones zum Verwechseln ähnlich – ein kurzes Ver­längerungskabel, das ohne jede Finger­akrobatik abisolierte Litzen, Gabelschuhe oder Bananenstecker in Empfang nimmt.

Mit vollen Hosen ist gut stinken, weiß der Volksmund, und in der Praxis verhält sichder iPhono2 wirklich vorbildlich störge­ räuscharm, es herrscht Mucksmäuschen­ stille. Das ausgefuchste Class­A­Design, in dem die von Lösch heiß geliebten J­FETs mit Bipolartransistoren einen mustergültigen Bund der Ehe schließen, büßt selbst dann nicht ungebührlich von seinen aristokrati­schen Manieren ein, wenn die Verstärkung astronomische 72 Dezibel beträgt. Gewiss, heutzutage, im Umfeld anschlussseitig zumeist kreuzbraver Moving Coils, ist dies eine eher selten zu bemühende Disziplin. Aber es nötigt einem schon Respekt ab, wenn ausgerechnet ein 600-Euro-Kisterl die Chuzpe hat, die Mikrobenströmchen beispielsweise eines Ortofon MC 5000 ohne Murren hochzupäppeln, während die meisten gestandenen Sechs- bis Achttausender entweder so vernehmlich wie vergeblich nach Pegelluft japsen oder hilflos im Rauschmorast ersaufen.

Überhaupt ist es, abgesehen von dem via Netz fleißig gehypten Klang, sicherlich das clever geschnürte, für diese Preisliga bei- spiellos pralle Feature-Package, das so viele Analogliebhaber für den iPhono2 erwärmt. Die weiße Fahne hissen müsste dieses Phonoteil bei keiner einzigen mir spontan in den Sinn kommenden Tondose. MMs und MCs finden über separate Cinchterminals Anschluss, wobei sich nichts Ungebetenes in den Signalweg mogeln kann, weil der jeweils inaktive Eingang auf Masse liegt und der Wechsel zwischen den Eingängen in Shunt-Manier erfolgt. Ähnliches gilt für die drei Mäuseklaviere, mittels derer praktisch jeder Tonabnehmer unter der Sonne opti- male Arbeitsbedingungen vorfindet, ohne dass die gerade faulenzenden Kurzbeiner dem guten Ton in die Suppe spucken könnten. An neuralgischen Stellen der beidseitig dicht bevölkerten Platine finden sich lang- zeitstabile Kondensatoren und engtolerierte Widerstände aus der oberen Güteschublade. Die Mär, wonach solche SMD-Winzlinge herkömmlichen Bauelementen a priori un- terlegen seien, können Sie geistig getrost in die Tonne der Geschichte treten. Qualitativ Erstklassiges findet sich längst hier wie da, allerdings muss man im Falle von SMDs sicher ein wenig länger danach suchen. Die weiteren Vorteile von Surface Mount Devices hingegen sind weithin unbestritten : Die Sig- nalwege können bei cleverem Platinenlayout konkurrenzlos kurz ausfallen. Im Gegensatz zur Freiverdrahtung treiben so gut wie keine parasitären Kapazitäten ihr Unwesen. Und gegen die Präzision moderner Bestückungs- automaten ist, statistisch betrachtet, kein Handlöterkraut gewachsen. Nur die Repara- turfreundlichkeit, die steht auf einem ande- ren Blatt.

Kein Vertun, anständige SMD-Technik, vergleichbar solide Fertigung und ähnlich üppige Anpassungsmöglichkeiten (Verstär- kung vierstufig 36–72 dB; MM-Kapazität fünfstufig 100–500 Ohm; MM/MC-Abschlusswiderstand achtstufig 22 Ohm bis 47 kOhm) bietet auch der eine oder andere Mitbewerber. Womit der iPhono2 den Vogel abschießt, das sind seine verschwenderischen Optionen zur opportunen Aufbereitung des angelieferten Phonosignals. Neben der traditionellen RIAA-Kurve bietet der silberne Flachmann zusätzlich die Varianten eRIAA (angehobener Hochtonpegel), IEC (RIAA mit Subsonicfilter, auch als ominöse Neumann-Konstante bekannt) sowie eRIAA + IEC (angehobener Hochtonpegel + Subsonicfilter). Das Adjektiv opportun anstelle von korrekt habe ich allerdings nicht ohne Bedacht gewählt. Beim Testmuster stimmen die rückseitig aufgedruckten Angaben nämlich nicht ganz mit der Realität überein, denn ein unverbogener Frequenzgang gemäß RIAA ergab sich bei mir eindeutig in Stellung eRIAA. Die vom Fachblatt HiFi News & Record Review veröffentlichten Messergebnisse nähren ebenfalls den Verdacht, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, wenngleich, Ironie des Schicksals, die englischen Testerkollegen ihre eigenen Frequenzschriebe ziemlich, sagen wir, eigenwillig interpretierten.

Darf’s noch ein bissl mehr sein für den Spieltrieb des experimentierwütigen iPhonikers? Voilà – der kleine Lord lässt sich sogar für Schallplatten unterschiedlicher Labels und Fertigungsepochen optimieren. Theoretisch zumindest, denn auch bezüglich dieses eigentlich durchaus willkommenen Features erlaube ich mir bei aller Sympathie eine klitzekleine verbale Blutgrätsche. Keiner der Masteringingenieure, mit denen ich je die Ehre hatte fachzusimpeln, hat bestätigt oder auch nur leise angedeutet, dass nach Mitte der 1950er Jahre auf breiter Basis wissentlich (!) eine andere als die 1954 de facto als weltweiter Industriestandard implementierte RIAA-Schneidekennlinie Anwendung fand. Nicht bei RCA oder Columbia in den USA, nicht daheim bei der Deutschen Grammophon und schon gar nicht in England bei Decca/London.

Was ausdrücklich NICHT implizieren soll, dass die entsprechenden Einstellungen des iPhono2 keine Wirkung zeigten. Ganz im Gegenteil, die ist im Zweifelsfall gar nicht soooo subtil. Wenn einem eine entschieden zu hell oder arg verhangen abgemischte oder aufgrund einer nicht korrekt eingemessenen Bandmaschine verhunzt gemasterte Auf- nahme auf Gemüt und Trommelfell drückt, spricht überhaupt nichts dagegen, den besänftigenden respektive erfrischenden Einfluss der, leider, so genannten Columbia- und Decca-Entzerrungskurven zu nutzen. Nur sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es sich, wie beim seligen Klangregler von anno Schnee, um Frequenzgangkosmetik, sprich: um einen gezielten Schlenker weg vom audiophilen Pfad der Tugend handelt. Als Klangpuritaner ziehe ich persönlich es vor, wenn das entsprechende Kippschalterchen eisern in Stellung RIAA verharrt, was im gleichen Aufwasch einen internen C-MOS-Switch zur Tatenlosigkeit verurteilt. Ihnen, liebe Leser, sei ans Herz gelegt: Halten Sie’s wie in der Liebe – erlaubt ist, was Spaß macht !

Um nicht länger um den heißen Brei herumzufabulieren: Klanglich ist der iPhono2 eine Granate. Wer nicht weiß, was er kostet, wird ihn jederzeit ein, zwei oder gar drei Preisligen höher eintaxieren. Ich habe bei zwei befreundeten und anerkannt hellhöri- gen Fachbesuchern die Probe aufs Exempel gemacht und sie im Glauben gelassen, eine ebenfalls eingeschaltete, bestens beleumun- dete Supervorstufe wäre gerade in Aktion, wo doch in Wahrheit das dahinter versteckte i-Fi-Kisterl Musicke machte. Beide waren zunächst leicht bedröppelt, als ich den meta- phorischen Hasen aus dem Hut zauberte, aber keineswegs fassungslos, denn der gute Ruf des iPhono2, respektive die Expertise seines geistigen Vaters Thorsten Lösch, sind in der Testerbranche kein Geheimnis.

Nein, der iPhono2 ist nicht der Giganten- killer, zu dem ihn seine Fanboys im Über- schwang der Gefühle gerne hochjazzen möchten. Er rammt nicht alles in Grund und Boden.Ichkenne,besitzeundmöchteIhnen in einer der nächsten Ausgaben einen Artge- nossen vorstellen, der ihm die Ohren gehö- rig langzieht, freilich zum doppelten Preis. Gleichwohl ist der Hype insofern berechtigt, als der iPhono2 tatsächlich mit dem Aller- meisten mithalten kann, was Rang und Namen hat, selbst mit dem, was mehr und im Zweifelsfall sehr viel mehr kostet. Gehört habe ich während der mehrmonatigen Test- phase vorwiegend mit den MC-Systemen Linn Kandid, Audio Technica OC9 II und Koetsu Rosewood Signature sowie den MM-Abtastern Linn Adikt und Audio

Saubere Arbeit

An neuralgischen Punkten der drahtfreien Schaltung finden sich Bauteile gehobener Qualität.

Technica AT440 ML. Meine Klipsch Corn- walls der ersten Generation wurden von vier Jadis-JA-30-Monoblöcken im Bi-Amping verwöhnt, den Line-Vorstufenpart erledigte eine JP15 Signature aus dem gleichen Hause.

In medias res: Der iPhono2 knallt einem, wenn’s sein muss, einen pupstrockenen, athletisch voll austrainierten Bass um die Ohren, dem dampfhammerartiges Tief- schwarz ein wenig abgehen mag, aber eben auch dieses enervierend Wolkige, das mich beivielzuvielenPhonostufeninunschöner Regelmäßigkeit auf die Palme treibt. Im Mitteltonspektrum ist der iPhono2 ein MusterknabeanFarbigkeitundGelöstheit.

Obenrum plärrt er einen von sich aus nie an, tönt stattdessen glockenklar, taufrisch, weit,weitausgedehntundsubjektivwohl- tuend unverklirrt. Der imaginäre Raum hat gehörig Breite, hinreichend Höhe und Tiefe und damit Dreidimensionalität und Glaubwürdigkeit. Der iPhono2 benimmt sich, zumal im direkten Wettbewerbsver- gleich, außerordentlich erwachsen, tonal breit gefächert, kurz: stimmig. Auch dyna- misch werden gehobene Ansprüche befrie- digt, wobei ihm das Florett unzweifelhaft näher liegt als die Machete, eine Eigen- schaft, die er mit so ziemlich jedem Phono- und anderen HiFi-Teil gemein hat, das mit einem Steckerschaltnetzteil auf die

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