Gauder Akustik DARC 100, Stand-Lautsprecher

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Wir haben uns an die Holzklassen beim Boxenbau eigentlich gewöhnt. Ent­sprechend verstrebt, versteift und verfestigt, können daraus ordentlich musi­zierende Lautsprecher entstehen. Das wird in der HiFi sicher noch lange so bleiben. Im echten High End hingegen hat der nachwachsende Rohstoff ausge­dient. Löst intelligent verarbeitetes Aluminium akustische Probleme besser?

In der Version mit Keramik-Chassis, auch im Hochtonbereich kosten die DARC 40.000 Euro

Auf die einfachste Frage folgt eine komplizierte, komplexe Antwort. »Was ist eigentlich HiFi?« Vor mir spielt eine formidable Anlage, die »Pi mal Daumen« um die 250000 Euro gekostet haben wird. Ein gigantischer Plattenspieler mit drei Tonarmen, zwei davon legendär, der andere ein vermeintlich ultimativer Geheimtipp, eine Armada edelster Verstärker französischer Provenienz sowie ein ebenso aus dem Nachbarland migrierter Hornlautsprecher. Ich könne mir nicht vorstellen, holt der gastgebende Eigentümer der Anlage aus, welchen Unterschied das XY-Filter im Verbund mit den unglaublich teuren Netzkabeln gebracht hätte. »Man mag nichts anderes mehr hören«, sagt er noch lächelnd und ich überlege mit geschlossenen Augen, wie ich es dem Einlader beibringen kann: Das ach so teure Equipment reproduziert tonal zu den unteren Mitten verschoben, viel zu dicht, fast schon komprimiert und agiert dynamisch so, als ob ihm ein verschreibungspflichtiges Schlafmittel verabreicht worden wäre.

Was ist eigentlich »HiFi« ? Die Beschäftigung mit dem Thema, das Ausprobieren von Wässerchen und Filtern, von Kabeln, Steckern. Sicher – aber wer bei diesen Wanderungen nicht den Absprung schafft, dreht sich womöglich im Kreis und landet in der Sackgasse.

Im konkreten Fall dürften Hornlautsprecher (die viel zu nah vorm Hörplatz platziert waren) sowie eine unglückliche Liaison von Tonarm und System, also eine ziemlich verkorkste Quelle sowie ein eher unterdurchschnittlicher, obendrein blöd in den Raum gestellter Lautsprecher, das eigentliche Problem darstellen. Der Mann kann noch Jahre verschiedene Mittelchen einsetzen und sich über klangliche Veränderungen, die er als echten Fortschritt empfinden dürfte – für den Moment – freuen. Er kommt aber nicht zum Punkt.

Konzentration aufs Wesentliche

Mit einer Maßnahme, wenn auch einer radikalen, wäre dieser HiFi-Zug vom Abstellgleis auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke gewechselt. Man schaue oder besser höre auf das Wesentliche. Den Lautsprecher. Der Lautsprecher, das ist im übertragenen Sinne das Auto mit ausgewogenem Fahrwerk, besten Reifen, zupackenden Bremsen und einem superben Getriebe. Sicher auf jedem Gelände – mit jeder Art von Musik. Angetrieben von einem fein surrenden Motor mit ordentlich Hubraum – in der HiFi den verstärkenden Komponenten. Tanken wir Super oder Super Plus? Übersetzt: Fließt der Strom einfach nur so aus der Steckdose oder machen wir darum ein Riesen-Tamtam? Alles ist hörbar. Ja. Aber vieles ist unerhört überschätzt.

Die Gauder DARC 100 ist vielleicht nicht der beste Lautsprecher unter der Sonne und gewiss nicht der teuerste, den ich jemals gehört habe. Aber er ist der beste, den ich in den vergangenen zehn Jahren in diversen Konfigurationen bewerten konnte. Schauen wir uns zunächst die Konstruktion und deren Besonderheiten an. Die Buchstabenfolge DARC steht für »Dynamic Aluminium Rib Construction« und ist tatsächlich mal eine echte Innovation. Denn Alu am Stück taugt für einen Lautsprecher überhaupt nicht. Jedenfalls nicht so ohne Weiteres. Bekannte Boxen im angesagten Metall-Gewand tragen darun- ter schnöde Unterwäsche aus Holz oder mitteldichter Faser (MDF). Pures Aluminium würde klanglich ein akustisches Debakel bescheren. Die DARC 100 (wie auch alle anderen Modelle dieser Reihe) verzichtet völlig auf Dämm- und Beruhigungsmittel im Inneren, gibt sich – um im Bild zu bleiben – splitterfasernackt.

Evolution trifft Revolution Die Erfahrungen, die Dr. Gauder mit der Rippen- Technologie der konventionell mit Holz errichteten Berlina-Serie gemacht hat, be- gründen den akustischen Durchbruch mit Aluminium als Werkstoff. Die DARCs sind allesamt mit Voll-Alu-Rippen aufgebaut, dazwischen eine bedämpfende, langlebige, nicht nachgebende Fuge. Das Rezept für diese Mixtur zu entwickeln, war eines der Kunststücke Gauders. Und kein Selbstzweck.

Ließ sich doch so ein Gehäuse aufbauen, das perfekt – aus sich selbst heraus – funk- tioniert. Eines, das weder eine Volumen raubende Matrix-Verstrebung benötigt noch irgendwelche Füll-, Woll- und Dämm- Stoffe. So eine Entwicklung fällt nicht vom Himmel, da steckt jede Menge Schweiss und Gehirnschmalz dahinter.

Die Ingredienzen der DARC sind über- wiegend bekannt und ohnehin bestens beleumundet. Bass- und Mittelton-Chassis mit Keramik-Membranen ordert Gauder bei Accuton, beim Hochtöner bietet er zwei Varianten an. In der »Standard«-Version verantwortet ebenso ein Keramik-Treiber das Hochton-Spektrum, der – jederzeit auch nachrüstbare – Kollege mit Diamant- Membran kostet 8000 Euro Aufpreis, für beide Lautsprecher natürlich.

Wie üblich setzt Roland Gauder auf extrem steilflankige Filter in seinen Kreationen, dass er auf dieser Klaviatur auch unfallfrei spielen kann, zeichnet ihn aus, den promovierten Physiker. Wohl weil er das ist, weiß Dr. Gauder um Anforderungen und Widrigkeiten von (Raum-)Akustik, schuf folglich eine sinnvolle wie elegante Gehäuse- Form und erlaubt es dem Besitzer, kleinere Anpassungen (in moderaten Größenordnungen von +/–1,5 dB) in Bass und Höhen mittels Steckbrücken vorzunehmen.

Keramik oder Diamant Es war eher Zufall denn Absicht, dass zunächst eine DARC 100 mit Keramik-Hochtönern, also für 40.000 Euro, in den Hörraum geschoben und mit dem Vollverstärker Accuphase E-650 verbunden wurde. Als Quelle fungierte beim ersten Rendezvous der Elac Discovery als Streamer. Meister Gauder war persönlich angereist und hatte noch einen Koffer im Gepäck. Darin das, was HiFi-Redakteure wie ich aus Prinzip fürchten: eine Menge CDs mit typischen, den Probanden akustisch schmeichelnden Musik-Tracks. Wenn du etwas verkaufen möchtest, ist der Inhalt eines solchen Koffers sicher hilfreich, aber zum Testen … Der Koffer blieb zu, stattdessen unternahmen wir gemeinsam eine Zeitreise via Tidal in die 1960er- und 1970er-Jahre. Wir haben einfach nur Musik gehört. Von den Stones, Beatles, Hollies, frühen Deep Purple und – muss konkret erwähnt wer- den – bis hin zu Procol Harum. Deren Live-Konzert zusammen mit dem Edmonton Symphony Orchestra in Alberta im Jahre 1971 kam sensationell rüber: »Conquistador«, den fünf Minuten währenden fulminanten, opulenten Intro-Track, habe ich mir später noch mehrmals angehört.

Alles geht, alles klingt Ausgesprochen habe ich es an dem denkwürdigen Nachmittag noch nicht: Denn selbstverständlich weiß ich doch, wie – obendrein gestreamte – Oldies über ein anspruchsvolles High-End- Gedeck klingen. Beschränkt, verrauscht, bescheiden. Mit der DARC 100 hingegen verhielt es sich anders. Denn in einigen Stücken vermeintlich bekannter Musik entdeckte ich bislang unerforschte Feinheiten. Nicht in allen. »Satisfaction« von den Rolling Stones birgt wohl keine Geheimnisse mehr, aber »2000 Light Years From Home« konnte ich facettenreicher, intensiver und somit authentischer erleben. Nein, es klang nicht »live«, konnte es im Gegensatz zu Procol Harum auch nicht, aber du schaust auf eine extrem breite Bühne, auf der einzelne Ereignisse isoliert betrachtet werden können – aber nicht müssen. Irre.

»Was ist HiFi?«, denke ich, als ich mich zu einer gemeinsamen Veranstaltung der High End Society und einer Zeitschrift nach Bochum aufmache: Die DARC 100 soll auch dort spielen, und ich möchte »einfangen«, wie das Publikum darauf reagiert. Es war angetan von der DARC, die ich zum ersten Mal mit Diamant-Töner hören konnte. Auch die Elektronik schien zu passen : ein Röhren- Amp von Westend Audio und ein formidabler CD-Player von T+A. Trotz der höchst problematischen akustischen Umgebung gaben sich die DARC keine Blöße. Selbst in den Raum-Ecken blieb das Klangbild stabil. Die es so erlebt haben, werden es bestätigen.

Wo ein Wille ist … Gut präsentierte Demos wie in Bochum nähren das Hobby, geben ihm vielleicht sogar eine Orientierung, an welcher Stelle, mit welcher Quelle oder auch mit welchem Lautsprecher eine Verände- rung im Sinne einer Verbesserung angegangen werden sollte. Ja, das ist HiFi in meinem Sinne: die Beschäftigung nicht der Beschäf- tigung willen, sondern mit einem klaren Ziel. Mit der DARC 100, die nach dem Event, also in der Konfiguration mit Diamant- Hochtönern, in die Redaktion kam, vermag man eine wesentliche Hürde in der High Fidelity zu überspringen : Exzellent produzierte Musik klingt darüber atemberaubend, aber weniger gut aufgenommene Scheiben behalten durchaus noch ihren Reiz. Ob nun mit Keramik- oder Diamant-Hochtöner – diesen ungewöhnlichen und in dieser Reinkultur vorher noch nicht (von mir) wahrgenommenen Charakterzug weisen beide 100er auf. Das wiegt auch mehr als die Entscheidung, sofort zum Diamanten zu greifen oder die Aktion auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben – die Kosten verändern sich ja nicht.

… könnte Gauder der Weg sein Freunden würde ich raten, unbedingt mit Keramik zu starten, zumal die DARC mit dieser Bestückung ihre Überlegenheit mit (nahezu) allen Tonträgern auch dann noch schafft, wenn sie von tendenziell eher einfacheren Verstärkern angetrieben wird.

Darf sich die DARC 100 aber mit den allerfeinsten Elektronik-Bausteinen und superbsten Plattenspielern paaren, dann sollte es schon der Diamant sein, der einfach für noch mehr Klarheit und Wahrheit sorgt. Zurück nach vorn: Statt sich immer nur im Kreis zu drehen oder Investitionen an den wirklich falschen Stellen zu tätigen und somit zu riskieren, die Lust an HiFi zu verlieren, sollten die Besitzer von teuren Problem-Anlagen, statt mehrere Baustellen einzurichten, den radikalen Schnitt ins Auge fassen. Die Gau- der Akustik DARC 100 definiert Lautsprecherbau im High End geradezu revolutionär neu. Endlich keine Diva, die nur unter Laborbedingungen bei Vollmond zur Geisterstunde bezaubert, sondern immer. Das ist HiFi in seiner schönsten Form – vollendet.

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