Frans de Wit Signature One, Stereo-Endstufe

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Nur wer anders als die anderen ist, kann sich vom grauen Mainstream absetzen. Und wenn das Andere auch noch besser als das Gewohnte und Erwartete ist, schlagen mitunter Sternstunden in der High Fidelity. Vorhang auf für eine erfrischend neue Verstärker­-Kreation aus den Niederlanden.

Das einzige Problem dieser Endstufe ist das Wirrwarr um die korrekte Bezeichnung derselben: „Signatur One“ ist jetzt amtlich für das 50.000-Euro-Statement. Zuvor hieß sie auch mal „Century“….Egal, es gibt derzeit sowieso nix besseres.

Einer der größten Irrtümer der highfidelen Menschheit dürfte die Illusion sein, der Erwerb einer richtig guten Endstufe könne aus einer mittelmäßigen Anlage eine exzellente zaubern. Das kann ein Endverstärker nicht, selbst wenn er der beste ist, der unter der Sonne gebaut wird. Das vermag auch die »Frans de Wit Signature One« nicht, ein recht ungewöhnlicher Baustein mit eigenwilligen und eigenständigen technischen Lösungen. Selbst ausge- buffte Freaks dürften bei Nennung des Preises erschrecken. Ging mir auch so; aber eigentlich nur, weil ich zunächst keine Ahnung hatte, welcher Schatz mir da in den Hörraum gestellt wurde. Die Frans-de-Wit ist schwer, aber nicht übermäßig.

Ein Klang, der sprachlos macht Sie ist auf den ersten Augenschein auch prächtig verarbeitet, aber das ist heute in den High-End-Sphären nichts Außergewöhnliches mehr. Sie hat Leistung satt, aber nicht gerade rekordverdächtig viel. Da klappern andere ganz anders. Für das Geld, das der Herr de Wit fordert, baut die Konkurrenz pralle Mono-Blöcke, ob mit einer Armada an Transistoren oder glühenden Röhren versehen.

Basieren die meisten Schaltungen auf Vorlagen aus den 1970er Jahren, die gewiss immer weiter verfeinert wurden, wandelte Mijnheer de Wit auf weniger ausgetrampelten Pfaden. Die »Signatur One« weist im Gegensatz zu neunzig Prozent aller Endstufen nicht drei, sondern nur zwei Verstärkerzüge auf. Nach der Eingangsstufe wird direkt der Strom in Spannung gewandelt (und nicht wie üblich umgekehrt). Verzichtet wird in dieser Topologie auf eine Über-alles-Gegenkopplung und dem Verstärker ist es obendrein völlig egal, welchen Lautsprecher er zu treiben hat. Er verträgt sich mit wirkungsgradstarken Horn-Systemen genauso wie mit schwierig zu zähmenden Impedanz-kritischen Schallwandlern, Flächenstrahlern und was sonst der Markt so offeriert.

High End kann kein Selbstzweck sein

Mit welchen Worten beschreibt man einen Klang, dem jede Charakteristik fehlt, der weder weich noch warm, kühl, analytisch oder sonst was ist. Da helfen keine sowie hinkenden Vergleiche aus Musik-fremden Bereichen der gehobenen Gastronomie oder bestens sortierter Weinkeller.

Die Maschine von Frans beamt dich, wenn die Voraussetzungen stimmen, dahin, wo die Musik einst entstand. In Konzerte, die längst Geschichte sind, beispielsweise aufs Concord-Jazz-Festival im August 1982. Dave Brubeck trat dort auf. Die Truppe um ihn spielt beseelt und über lange Passagen mit einer Intensität, als ob die Musiker völlig zu vergessen schienen, dass sie vor Publikum spielen. »Softly, William, Softly« spannt einen Spannungsbogen ganz besonderer, in dieser natürlichen Selbstverständlichkeit davor und danach nicht gehörten Intensität: In der abendlichen Stimmung begleiten, ganz zart, zirpende Grillen die Künstler.

In der Konfiguration mit der »Signature One« in der Kraft- sowie meiner betagten, aber nach wie vor putzmunteren Cello-Audio- Suite-Vorstufen-Sektion erlebte ich die »zum-ich-weiß-nicht-zum-wievielten-Mal- gehörten« Scheibe auf eine neue Weise: Wenn wir Audiophilen eine Veränderung – insbesondere eine kostspielige – in unserem HiFi-System vornehmen, dann stets in der Hoffnung, der Wahrheit im Studio oder auf der Bühne ein gutes Stück näher zu kommen. Wir investieren also, um Distanz zu verringern. Das ist, vielleicht nun überraschend, nicht unbedingt eine Frage der Investitionshöhe, sondern der Einstellung : Sehr oft gelingt es einem eher preisgünstigen, mit kleinen Zwei-Wege-Monitoren auf- gebauten Setup besser, diese Distanz zu überwinden als mächtigeren und somit auch teuren Systemen. Je breitbandiger eine Komponenten-Kette ausgelegt ist, desto mehr akustische Klippen gilt es zu umschiffen. Allein der Bass, der in vielen Räumen eher Frust denn Lust beschert, fordert den Betreiber gigantischer Anlagen mannigfaltig heraus. Doch immer wieder begegnen einem ausgewachsene Ketten, die auf dem sprich- wörtlichen Punkt spielen. Von ganz tief unten bis an die Grenzen der Wahrnehmung engagiert und beherzt, richtig.

Wirklich auf dem Olymp Mit besagter Cello Audio Suite, einem Paar Röhren- Monos Convergent JL 1, den wunderbaren LautsprechernDynaudio Evidence Master, als Quelle sprudelte der legendäre Plattenspieler Transrotor Quintessence mit Breuer- Tonarm, sowie einem Ortofon-System, das – erinnere ich mich – damals 6000 Mark kostete, erreichte ich Ende des letzten Jahrtausends erstmalig eine Konfiguration, die alle meine Sehnsüchte, meine Vorstellungen, wie etwas zu klingen habe, erfüllte. Bis zu diesem Zeitpunkt war es immer nur der Weg dahin. Eine gute Erfahrung. Wer tatsächlich schon einmal auf einem solchen Gipfel audiophile Höhenluft schnuppern durfte, kann anspruchsvolle Ketten a) besser bewerten, b) optimieren oder c) überhaupt zusammenstellen.

Schwups, da bin ich wieder bei der Endstufe von Frans de Wit. Persönlich halte ich sie für eine der besten, die mir jemals unter- gekommen sind. Sie reproduziert auf dem Niveau von Convergent im Röhren-Reich oder einer Pass Aleph 1, wenn sie mit einem ihr zugetanen Lautsprecher aufspielen durfte.

Ich kann ihr keine durchgängige Charaktereigenschaft zuweisen, in Abhängigkeit der ihr zugeführten Musik wandelt sie sich immer wieder, gibt sich intensiv und intim, überführt schlecht produzierte Musik, ohne sie an den Pranger zu stellen. Sie betont die Stärken der sie umgebenden Geräte, aber kann deren Schwächen nicht kompensieren. Sie verlangt, um ihrer Daseinsberechtigung willen, eine bereits fein abgestimmte Kon­stellation sich sinnvoll ergänzender Kompo­nenten.

Was nicht mehr ist, weißt du besonders zu schätzen So gewöhnt man sich an die »Signatur One«, die weder rauscht noch brummt und die nicht einmal sonderlich warm wird. In den ersten Tagen ließ ich sie nicht vom Netz, um klangliche Einbußen zu vermeiden, danach schaltete ich sie rund eine halbe Stunde vor anspruchsvolleren Hörsessions ein, das genügte vollends. Ja, irgendwann hatte ich ihre permanente Anwesenheit fast schon vergessen …

… ich nahm sie kurzentschlossen aus dem Test­Equipment und versuchte diverse Alternativen. Na ja, so lange sie der deutsche Ver­trieb nicht abholt, darf die Frans-­de­-Wit­-End­stufe gerne ihrer hingebungsvollen Arbeit weiter nachgehen. Da sei ihr auch der (mich irritierende) optische Auftritt verziehen.

Die Illumination der Frontscheibe mit verschiedenen Farben und Helligkeitsstufen erleuchtete mich zumindest überhaupt nicht. Nur gut, dass man die »Lichtspiele« auch komplett abschalten kann.

Besitzer austarierter und harmonisch­-dy­namischer Anlagen, merkt auf: Wenn Ihr Euch am Ziel zu wissen glaubt und Eure Sys­teme so performen, dass Ihr womöglich nichts Besseres zuvor habt hören dürfen, dann versucht dieses Kleinod aus den Niederlanden. Ob übermannshohe Elektrosta­ten, ausladende Horn­-Lautsprecher oder betagte Exoten Eure Hörräume dominieren – es dürfte keine Aufgabenstellung geben, die Frans de Wit und seine »Signatur One« nicht zu meistern wissen. Mit Sicherheit.

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