Cambridge Audio Duo, Phono-Vorstufe

Welche Händler auch zur Zeiten der Corona-Pandemie Cambridge bei Ihnen zuhause präsentiert, erfahren Sie hier.

Die 300-Euro-Klasse highendig angehauchter Phonostufen entwickelt sich immer mehr zum Haifischbecken. Wer da nicht nur überleben und mitschwimmen, sondern der versammelten Konkurrenz die Rücklichter zeigen will, muss klanglich oder ausstattungsmäßig schon schwere Geschütze auffahren. Am besten beides…

von Ulrich Michalik

Preislich mit 300 Euro erfreulich günstig

Ich weiß nicht, wie Sie, lieber Leser, es handhaben, aber für mich sind die so genannten »weichen« Kriterien beinharte Grundlage fast jeder Kaufentscheidung. Bei diversen Firmenbesuchen habe ich visuell wie olfaktorisch erleben müssen, dass selbst bestens beleumundete HiFi-Un- ternehmen aus Westeuropa, Nordamerika und Fernost teilweise unter Bedingungen fertigen, die jedem wackeren deutschen Gewerbeaufsichtsbeamten in Schnappat- mung versetzen würden. Es erkundige sich also tunlichst nach entsprechenden ISO-Zertifizierungen o.ä., wer sein Geld nicht notorischen Umweltferkeln in den Rachen schmeissen will. Da ich ferner die These teile, dass nur zufriedene Menschen auf Dauer beglückende Qualität liefern, sind ein entspanntes Betriebsklima, freundschaftliche Umgangsformen zwischen Mitarbeitern unterschiedlicher Hierarchieebenen und – last not least – humane Löhne für mich untrügliche Indizien für einen guten »Laden« . Und wenn das Hauptquartier nicht nach Laserdruckerozon mieft, sondern bis in den hintersten Winkel nach Musik duftet und obendrein in London ansässig ist, fühle ich mich schon fast wie zu Hause.

All dies, Sie ahnen es, ist bei Cambridge Audio der Fall. Die zwei Inhaber gehen noch einen Schritt weiter und lassen alljährlich einen definierten Prozentsatz des Gewinns karitativen Zwecken zufließen. Einer der beiden, Julian – nomen est omen – Richer, nebenbei Chef von Richer Sounds, der britischen UE-Ladenkette, die seit Jahrzehnten den Rekord für den höchsten Flächenumsatz weltweit hält, hat sich nach eigenen Jugendsünden vollends vom Saulus zum Paulus gemausert: Er heftet sich via seiner gemeinnützigen Stiftung Taxwatch an die Fersen privater und institutioneller Steuerflüchtlinge, die das Vereinte Königreich im großen Stil um den gerechten Obolus zu prellen trachten.

Natürlich schadet es nicht, wenn eine HiFi-Unternehmung auch regelmäßig personelle Duftmarken setzt. Bei Cambridge Audio ist dies seit Gründung 1968 quasi business as usual. Namen wie Stan Curtis, Michael Creek, John Westlake oder auch die Masterminds hinter Pink Triangle zählen zur Creme de la Creme der internationalen Entwicklergilde. Und dem aktuellen Cheftechniker Dominique Baker, so munkelt man in der Branche, mangelt es ebenfalls nicht an Lockrufen aus der Großindustrie.

Eine der jüngsten Cambridge Audio-Krea- tionen unter Bakers Ägide – medientechnisch etwas im Schatten der extrem highendigen und enthusiastisch aufgenommenen Edge-Serie – ist die Phonovorstufe Duo. Gefertigt wird sie übrigens in China, bei einem Partnerbetrieb, mit dem man seit etlichen Jahren vertrauensvoll zusammenarbeitet. Der Duo päppelt nicht nur die Signale von Moving Magnet- bzw. Moving Coil- Tondose um praxisgerechte 40 respektive 60 Dezibel auf, sondern hält als zusätzliches Schmankerl auch einen Kopfhörerausgang samt griffigem Lautstärkeregler parat.

Zwar suggeriert die arg optimistische Prospektprosa problemlose Harmonie selbst mit hochohmigen Kopfhörern, doch an den 600 Ohm meines Beyer DT 880 Edition ging dem Duo buchstäblich die Puste aus. Kein Beinbruch: An weniger leistungshungrigen, niederohmigen Ohrwärmern sollte der Cambridge mehr als ausreichende Pegel mobilisieren. Nach etwa 20 Minuten Funkstille verordnet ihm seine Stromsparschaltung automatisch ökologisch korrekten Tiefschlaf.

Womit der Duo nicht dienen kann, das sind mannigfaltige Optionen zur – vermeintlich – optimalen Tonabnehmeranpassung. Vermeintlich deshalb, weil viele Anhänger der DIP-Schalter-Fraktion entwe- der nicht wissen, nicht wahrhaben wollen oder geflissentlich unterschlagen (im Fußballerjargon: »massiveWahrheitsbeugung«), dass die Übergangswiderstände, die sich nach einiger Zeit selbst in die feinsten Mäuseklaviere einschleichen, unter Umständen größer sind als das Nutzsignal selbst, also letztlich genau das Gegenteil dessen bewirken, was sie eigentlich sollen – ein Klassiker des Fluches der guten Tat! Dass Cambridge hier nicht die Königslösung wählte – nämlich Sockel zum Einlöten des mittels DIP-Schalter-Experimenten eruierten, klanglich bevorzugten Festwiderstandes –, ist in dieser Preisklasse und angesichts der anvisierten Zielgruppe absolut nachvollziehbar. Zumal der Fixwert von 100 Ohm im MC-Eingang (obligatorische 47 kOhm für MM) für eine Vielzahl moderner Moving-Coil-Systeme passt wie der sprichwörtliche Deckel aufs Töpfchen. Selbiges trifft für das Nicht- vorhandensein kapazitiver Eingriffsmög- lichkeiten im MM-Zweig zu. Hier gilt in aller Regel die Devise, den Wert so niedrig wie möglich zu halten – das Tonarmkabel ist ja noch hinzuzuaddieren –, und die 100 Pikofarad des Cambridge sind so ziemlich genau das anzustrebende Minimum. Weniger ist im Zweifelsfall also tatsächlich mehr; nur gut, dass der Duo mit einem für meine Begriffe gänzlich überflüssigen Balanceregler aufwartet, sonst hätte der Kritiker garnix zu bekritteln. Ich meine: Wenn eine Tondose im linken und rechten Kanal unterschiedlich laut ist, dann hat sie entweder eine Produktionsmacke und/oder ist steinalt und gehört daher retourniert bzw. verrentet. Dass selbst spottbillige Abtaster durchaus Gegenstand gewissen- hafter Qualitätskontrollen sein können, beweisen seriöse Anbieter wie Audio Technica und Ortofon schließlich seit Jahrzehnten.

Ein Konstruktionsdetail, dem bestimmt nicht nur der Autor zunächst mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnete, ist die Stromversorgung des Duo. Im Gegensatz zum Vorgänger CP2 handelt es sich hier um ein Schaltnetzteil, und zwar nicht um einen, wie es heute weit verbreitet und billig ist, direkt in den Netzstecker verpflanzten Typ, sondern um eine ins Gehäuse integrierte Variante. Schaltnetzteile für anspruchsvolle Audiozwecke sind eine Disziplin, an der sich die Spreu vom Weizen trennt. Während es beim analogen Linearnetzteil häufig der streuende Trafo ist, der via Brumm dem guten Ton an den Kragen will, sind es bei digitalen Schaltnetzteilen, zumal bei integrierten, unendlich schwieriger zu bändigende ultra hochfrequente Quälgeister, die ihm in die Suppe spucken. Beim Duo kann ich reinen Gewissens Entwarnung geben: Rauscharmut sowie die subjektive Absenz jeglicher anderer Störenfriede stellen ihm und seinen geistigen Vätern ein 1-A-Zeugnis aus.

Schaltungstechnisch lässt er eine enge Verwandtschaft zum abgelösten CP2 erkennen. Hier wie da sind die für das klangliche Endergebnis so immens wichtigen

Eingangsstufen – der Duo gönnt sich komplett getrennte MM- und MC-Äste – diskret mit Einzeltransistoren in Parallelschaltung realisiert. Die RIAA-Entzerrung erfolgt audiophil vielversprechend auf passivem Wege. Dahinter hat man sich erneut für einen Operationsverstärker entschie- den, im konkreten Fall für einen millionen- fach bewährten Mehrbeiner von Texas Instruments. Auffallend nur, dass man auf die im CP2 verbauten Kupferbleche zur Schirmung der empfindlichen Audiosektion verzichtet hat. Fazit : Die Bauteilegüte ist nicht dazu angetan, den Speichelfluss des Goumets becircen, aber sie ist hoch anständig, die Verarbeitung des Vollmetallgehäuses routiniert-gediegen, das Design typisch Cambridge Audio, sprich: von unaufgeregter Eleganz.

Um nicht krampfhaft zu versuchen, ein Uralt-Klischee rhetorisch clever zu umschiffen, sag ich’s ohne Umschweife – der Duo klingt genau so, wie er aussieht: erwachsen, geschliffen, zivilisiert, korrekt. Es ist, um knietief in die bundesdeutsche TV-Mottenkiste zu greifen, ein Gentleman, der nicht zur Kasse bittet. Er legt die denkbar besten Umgangsformen an den Tag, kennt, entsprechend gefüttert, weder nervtötende Zischlaute noch plärrende, scheunengroße Mäuler noch sägende Streicher noch schlaffe Bassgitarrensaiten noch wolkige Kickdrums. Doch wer nun mutmaßt, dahinter verberge sich, wie so oft, nichts weiter als smart kaschierte gepflegte Langeweile, der könnte schiefer nicht liegen.

Was den Duo von allen mir geläufigen Preisklassenkameraden unterscheidet, ist seine fast schon spektakulär weiße tonale Weste im Verein mit beachtlicher Breitbandigkeit, wunderbarer Transparenz plus quicklebendiger Fein- und zupackender Grobdynamik. Was ihm im Vergleich zu den Besten seines Fachs fehlt? Das klassische Stereotyp, mit dem sich die Fachjournaille bei dieser Frage gern aus der Affaire mogelt, lautet etwa folgendermaßen: Die Fehler des Probanden sind eher subtraktiver denn additiver Natur. Was in neun von zehn Fällen kompletter, pardon, Bullshit ist.

Realiter sieht’s vielmehr so aus, dass eben nicht weggelassen, sondern hinzugedichtet wird, was das Zeug hält. Mit verschwenderischen Hochtondetails, die mit Klirrsalven erkauft werden, die jedes Langzeithören vermiesen. Mit vordergründiger Sonorität, die einen nach 20 Minuten unwillkürlich zum Smartphone greifen und nachgucken lässt, was gerade in der Glotze läuft. Mit einer Überdosis Attacke, die leidige Defizite der Klangfarbenpalette keine Millisekunde kaschieren kann. Mit betörend breiten-, höhen- und tiefengestaffelten Klangräumen, in denen die Musikanten wie valiumsediert herum- hängen.

Der Duo ist jenes eine unter besagten zehn Geräten, bei dem es tatsächlich gelungen ist, die naturgegebenen Defizite derart raffiniert auszubalancieren, dass man ohne Übertreibung von Kunst spre- chen kann. Und je kleiner der Preis des Kunstwerks, desto größer bekanntlich das Können des Künstlers. Ich schäme mich nicht, zuzugeben, dass es eines Abends rufschädigend lange dauerte, bis ich merkte, dass nicht eine parallel unter die Lupe genommene Phonostufe zum exakt elffachen Preis am Werk war, sondern der kleine Duo.

Ersparen wir Ihnen und mir eine krämerhafte Auflistung, in welchen Disziplinen ihm die Platzhirsche in den Preisligen direkt und indirekt über ihm mehr oder minder überlegen sind, nach dem leidigen Motto einen Hauch hier, eine Idee da, ein Quäntchen dort. In Prozenten ausge- drückt, wär’s oftmals ernüchternd wenig. Da ich nicht jede Phonostufe um die 300 Euro kenne, geschweige denn gehört habe, verkneife mir auch einen Ritterschlag absoluter Art. Nur soviel: Wenn der Duo nicht zu den zwei, drei Alphatieren in sei- nem überbevölkerten Revier zählt, dann will ich zur Strafe freiwillig im nächsten Chris-de-Burgh-Konzert mitschunkeln.

Ich habe dem Duo vom fabelhaften kleinen Audio Technica AT 440ML bis zum ver- flixt anspruchsvollen Linn Kandid mit einem halben Dutzend MM- und MC-Tondosen unterschiedlichster Couleur auf den Zahn gefühlt und war nie weniger als beeindruckt. Auf der sicheren Seite ist man in punkto Rauschen bei MCs mit einer Ausgangsspannung größer 0,3 Millivolt, womit potenziell eine riesige Spielwiese offensteht. Was das Finanzielle betrifft, hätte ich über- haupt keine Hemmungen, für einen richtig feinen Abtaster drastisch tiefer in die Tasche zu greifen als für dieses unverschämt gute Phonoteil.

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