B&W 805 D 3, Kompakt-Lautsprecher

Endlich ist es geschehen, lange Jahre hat die audiophile Gemeinde darauf gewartet: dass man beim Neukauf eines Lautsprechers den bisherigen zu einem fairen Kurs zurückgeben kann. Ohne zu feilschen. In diesen Genuss kommen jetzt Besitzer einer Bowers & Wilkins der 800-Serie ab Modellreihe »Diamond«. Ein weiterer guter Grund, dem 800er-Club beizutreten. Die »Eintrittskarte« 805 D3 im Test.

Welche Händler auch in der Corona-Krise Lautsprecher von Bowers & Wilkins bei Ihnen zuhause präsentieren, erfahren Sie hier.

Die 800er-Serie von Bowers & Wilkins markiert aus Sicht der Briten das jeweilige Ende der Fahnenstange in der Entwick- lung von Lautsprechern. Mit dem Modell 805 D3 präsentieren die Klang-Magier auch eine kompakte Variante aus der Königsklasse. Verfechter kompakter Boxen schätzen insbesondere Stimmen-Repro- duktion und Räumlichkeit. Kostenpunkt: 6000 Euro (Paar).

Die meisten kompakten Lautsprecher klingen halt, wie Kompaktboxen tönen: kompakt! Viele Leute mögen, manche lieben diese akustische Gangart. An guten Argumenten mangelt es nicht: Mehrwege-Systeme tun sich bisweilen schwerer, beispielsweise die menschliche Stimme authentisch wiederzugeben. Viele Chassis und entsprechend aufwendige Frequenzweichen sind nicht nur ein Quell der Freude, sie dividieren mitunter auseinander, was akustisch eigentlich zusammengehört. Standlautsprecher, insbesondere, wenn sie an Statur gewinnen, bringen nicht nur mehr nutzbares Volumen, sie werfen auch schlicht mehr Gehäuse in die Waagschale. Was wiederum zu unliebsamen Resonanzen der Außenhaut führen kann. Ob und in welcher Dimension entscheidet natürlich das Budget, das für den Lautsprecher werk- seitig zur Verfügung steht.

Schwer heißt auch immer teuer. 

Deshalb wiegen die »stehenden« Brüder der 805 D3 überproportional mehr. Bis hin zum Modell 800, das mit 96 Kilo je Einheit eine Art integrierten Diebstahl-Schutz beinhaltet. Ketzerisch könnte man behaupten: Die Konstrukteure der 805 D3 brauchten weniger Geld in kostspielige Problemlösungen zu stecken, die in größeren Systemen eben anfallen; sie konnten sich vielmehr auf den guten Klang konzentrieren. So furchtbar weit hergeholt ist die These gar nicht. Die an Abmessungen moderate 805 D3 beinhaltet schon all das, was die aktuelle 800er-Flotte so begehrenswert macht: Kern- und Herzstück der Top-Serie ist zweifelsfrei der Tiefmitteltöner, der mit einem Membran-Material aufwartet, das derzeit die HiFi-Geschichte umschreibt. Galt bei Fans der britischen Marke bislang das geheimnisumwitterte gelb durchgefärbte »Kevlar« als Maß der Dinge, ist es nun ein Zaubergewebe namens »Continuum«. Silbern in der Anmutung –und irgendwie noch mysteriöser als Kevlar. Wer fertigt wo dieses Continuum? Keine Ahnung, darüber schweigt sich der Herstel- ler aus. Die zweite Spezialität der 800er ist schon länger etabliert: Die Membran des Hochtöners ist Diamant-beschichtet und bietet somit beste Voraussetzungen für glockenklare Töne in den obersten Frequenz- lagen. Wenngleich die Reduktion auf die Addition von Bauteilen – und sind sie noch so innovativ, teuer oder exklusiv – übers klangliche Resultat nur wenig aussagt.

Was wirklich wichtig ist 

Die bisweilen ellenlangen Auflistungen technischer Ingredienzen bescheren allenfalls das gute Gefühl, für ein wertiges Produkt zu Recht tief ins Portemonnaie gegriffen zu haben. Was zählt letztlich? Die harten (Zutaten-) Fakten oder doch das emotionale Erlebnis, das eine Komponente verspricht? Suchen nicht gerade die Tester immer wieder nach der Korrelation von technischem Aufwand und klanglichem Ertrag? Sind wir nicht froh und glücklich, wenn wir akustische Phänomene auch mit relevanten Daten unterlegen können? Stimmt alles, ich habe auch intensiv geforscht, gelesen, Messergebnisse studiert und am Ende n-i-c-h-t-s gefunden, was den Höreindruck der 805 D3 ausreichend oder zumindest annähernd erklären könnte: das Einzigartige, das Wunderbare, das in dieser Preis-, Größen- und Leistungsklasse Berge und Maßstäbe Versetzende.

Verzerrungen nein danke

Es lässt sich in einem Wort zusammenfassen, was die D3 von ihren Vorgängern und vom Mitbewerb unterscheidet – »Illusion«. Wie ein Magier mit einem Zaubertrick seine Zuschauer verblüfft, so bringt die Bowers & Wilkins ihre Hörer ins ungläubige Staunen. Bei einem der unzähligen Tests platzierten wir das kompakte Wunder neben eine ausgewachsene Stand-Skulptur eines namhaften Herstellers, dessen Entwicklungen für tonale Ausgewogenheit und Dynamikentfaltung par excellence bekannt sind. Namen tun nichts zur Sache. Es hätte auch ein anderer x-beliebiger guter Lautsprecher sein können. Auf seltsame und berührende Weise verblasste der ungleiche Sparringspartner; er schien akustisch ein wenig zu schrumpfen; der ansonsten übliche Abstand von ausgewachsenem Standlautsprecher zu kompaktem Zweiwege-Monitor schmolz dahin.

Die 805 D3 vermochte Bühnen zu zimmern, auf denen Interpreten und komplette Orchester eben nicht auf Puppenstuben-Niveau zurechtgestutzt wurden. Oder: Gehen Sie doch mal mit den Beatles ins Studio. Mit der »Anthology«-Reihe ist dies sehr authentisch möglich und immer wieder eine Entdeckungsreise, John, Paul, George und Ringo quasi eins zu eins über die Schultern zu schauen. Das funktioniert übrigens via Stream, CD und selbstredend über LP klasse. Mit vielen HiFi-Systemen wird man eine Ahnung bekommen, wie sich die Fab Four damals aufgeführt haben, wie sie zusammengearbeitet, gelacht und geniale Musik gemacht haben. Mit der 805 D3 gesellen sich zusätzliche, absolut Gänsehaut bescherende Informationen hinzu. Sie erhalten frei Haus eine sehr viel klarere Vorstellung von den Abmessungen des Studios.

Das kann HiFi im Idealfall 

Die Interaktion zwischen den »Pilzköpfen«, diese besondere Art Lennon’scher Humor erschließt sich plötzlich noch zwingender. Mit geschlossenen Augen verfallen Sie der »Illusion«,die Protagonisten vor sichz u haben – klar, Sie haben ihn doch gesehen, den Schalk in Johns Augen. Perfekte »Illusion« eben. Die sich – sei der Vollständigkeit und leider auch der Wahrheit halber erwähnt – nicht automatisch einstellt.
Sie müssen bei der Integration in die Audio-Anlage einige Binsenweisheiten beachten. Die moderate 805 D3 ist zwar recht aufstellungsunkritisch, den- noch sollte darauf geachtet werden, dass die Abstände zur Wand tunlichst auf den Millimeter genau identisch sind. Das HMJ empfiehlt, die Boxen »um den Hauch einer Winzigkeit« anzuwinkeln. Kostet nichts, bringt viel. Bei der Wahl der Quellen, ob Streamer, CD-Player oder Plattenspieler, gilt der Lehrsatz, dass das Bessere des Guten Feind ist.
Wenn Sie sich für eine 805 D3 entschieden haben, lädt Sie der Lautsprecher ein, die besten Komponenten mit all ihrer klanglichen Überlegenheit erfahren zu dürfen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es müssen nicht die teuersten Geräte sein, aber ein gewisser qualitativer Anspruch sollte schon eingehalten werden – vertrauen Sie am besten auf den Rat eines erfahrenen Fachhändlers und hören Sie sich einige Alternativen an.


Ob die 805-D3-Formel in den eigenen vier Wänden so aufgeht, wie es das HMJ beschrieb, dürfte maßgeblich vom Wechselspiel zwischen Verstärker, Box und in dem Fall auch Kabeln abhängen. Sicher, eine famose Vorstufen-/Endverstärker- kombi bringt gerade im Fall der enorm auskunftsfreudigen 805 D3 erstaunlich viel Klangertrag, herausragende Ergebnisse erzielte die Jury aber mit zwei integrierten Verstärkern der Luxusklasse: Was Fans an Amps der Marke Accuphase schät zen, sind diese bestechende Ruhe und die Illusion, über Kraftreser-ven ohne Ende zu verfügen. Genau das widerfährt einem, der den E-600 für diese Aufgabe ordert. Großartig! Nicht minder packend, wenn auch auf eine alterna- tive Art, geriet das Zuspiel über den Audionet Watt. Wundervoll, wie warm und weich und dennoch sehr präzise beispielsweise Stimmen reproduziert wurden. Man konnte einfach nicht genug davon bekommen – beste Voraussetzungen für eine lange HiFi-Liaison.

Teure Kabel? Wenn, dann die richtigen

Obwohl der Autor um kostspielige Kabel gerne einen Bogen macht, muss an dieser Stelle eine Lanze gebrochen werden für einen Hersteller, dessen Verbinder in den Konfigurationen mit und um die B&W 805 D3 immer die erste Wahl waren: »Ramses« von TMR aus Berlin trugen ihre Anteile dazu bei, dass die »Illusion« auch in komple- xeren Passagen nicht verblasste, geschweige einbrach. Allesamt sehr gute Komponen- ten, die zusammen beste Ergebnisse ein- spielten. Mit der 805 D3 lassen sich Audio-Ketten schmieden, die abseits der Investitionssumme mehr als das vermeint- lich Erreichbare schaffen. An der 805 D3 wächst man. Bisweilen über sich hinaus. Und wer noch höher will, kann sogar aufsteigen ohne große finanzielle Verluste. Womit wir wieder am Anfang der Geschichte wären.

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