B&W 803 D 3, Stand-Lautsprecher

Welche Händler auch in der Corona-Krise Lautsprecher von Bowers & Wilkins bei Ihnen zuhause präsentieren, erfahren Sie hier.

In der Finanzwelt sorgt die »Leit-Währung« für Orientierung. Diese Führungs-Aufgabe fällt nicht vom Himmel, sie ist vielmehr Ergebnis einer lang anhaltenden stabilen, agilen und vor allem mächtigen Wirtschaft. Nicht beliebig und nicht von heute auf morgen austauschbar. Sie kennen die »Leit-Währung« im High-End-Boxenbau? Unumstritten definiert das jeweilige Spitzen-Modell der 800er Serie von B&W das Maß.

Was den Unterschied zwischen echter Live-Musik und Repro-duktion aus der Konserve ausmacht, hat ein jeder schon erfahren dürfen: Wenn auf einem x-beliebigen Straßenfest eine eher recht als schlecht aufspielende Band rockt und poppt, erkennen unsere Lauscher sofort, dass beispielsweise ein richtiges Schlagzeug malträtiert und ein elektrischer Bass mit einem darauf abgestimmten Verstärker gezupft wird. Korrekt ?

Das Wunder von Halle Wagt sich HiFi-Equipment indes auf Bühnen außerhalb der heimischen vier Wände, verblassen die Tugenden derselben rasch: Es klingt nicht »live«, sondern angestrengt, bemüht oder gar artifiziell.

Das ist die Regel, die Ausnahmen davon sind selten. Eine widerfuhr dem Autor bei einem dieser legendären Rhythm’n’Blues- Festivals in Halle /Westfalen. Nicht nur, dass es der Veranstalter Bowers & Wilkins immer wieder schafft, ein grandioses Pro- gramm auf Beine und Bühne zu stellen (danke, Peter Schulte!), auf dem alljährlichen Event trifft man Gleichgesinnte, Fans, Freaks und Branchen-Insider.

Zudem nutzt B&W das Fest, um den geneigten Gästen ein Feuerwerk an Produkten zu präsentieren. Was, bitteschön, richtet eine HiFi-Anlage gegen die in der unmittelbar neben der Präsentationsfläche gelegenen Halle mit authentischen Musikern aus? Prinzipiell nichts, es sei denn diese Bowers & Wilkins 800 D3 reproduziert, was Verstärker aus bestem Quellmaterial zur Verfügung stellen. Das, was an jenem denkwürdigen Abend in Halle geschah, verursachte Gänsehaut pur. Vielleicht haben es die Zuhörer, die unmittelbar vor der Anlage verzückt Musik genießen konnten, gar nicht so zwingend vernommen wie andere, die ein paar Meter vom Geschehen standen – es haute einen um. 800 D vs. Live = unentschieden.

Die Referenz hat einfach Reserven

Genau dies dürfte den Unterschied ausmachen zwischen den kleineren Modellen der neuen 800er Serie und ebenjenem Flagg- schiff namens 800 D3. In vielen guten HiFi-Stuben werden die – je nach Raumbeschaffenheit – preisgünstigeren Varianten, allen voran die großartige 802 D3, mitunter auch die sagenhafte 804 D3 eine ähnliche Performance nicht nur anstreben, sondern auch erreichen. Darin scheint auch der Schlüssel zum Erfolg begründet : Unterscheidet sich bei quasi allen anderen Her- stellern die Performance vom kleinsten bis zum größten Modell mehr oder weniger stark, ordnen sich bei der 800er Serie von Bowers & Wilkins sämtliche Offerten ein und demselben Klang-Ideal unter. Der mit 96 Kilogramm schwergewichtigen 800 D3 mehr Auflösungsvermögen in den Klangre- gionen oberhalb der Mitten zuzuschreiben als der kompakten und mit je 12,5 Kilo leichten 805 D3 wäre angesichts des deutlichen Preisunterschieds zwar verständlich, in der Sache aber ungerecht.

Die 800 D3 ist das aktuell gültige, von allen akzeptierte Statement im Boxenbau. Weil sie – und nun auch im Gegensatz zu den kleineren Modellen aus der Reihe – Grenzen verschiebt wie derzeit kein ande- rer Schallwandler. Die Illusion, einem Live-Ereignis beizuwohnen (eine entspr chend gute Aufnahme vorausgesetzt), schaffen also auch 805, 804, 803 und 802, jeweils mit Zusatz »D3« im Rahmen ihrer (!) Möglichkeiten – also in kleineren Räu- men und mit geringeren Pegeln. Und bestimmt auch nicht so durchgängig. An Abmessungen und Frequenzumfang gewaltige Instrumente wie eine Konzert-Orgel verlangen ebensolche Lautsprecher, um auch bei der berühmten Orgel-Sinfonie von Saint-Saëns Autorität und Authentizität zu bewahren. Mit einer 800 D3 kommt man also weiter, überschreitet bekannte Gren- zen – und nimmt nach einer verhältnismäßig kurzen Gewöhnungszeit deren profunde Wiedergabe-Qualitäten als das Natürlichste auf der Welt wahr – weil Natürlichkeit nie aufdringlich, lästig, die Nerven strapazierend wirkt.

Lediglich 1,27 Meter hoch, 41 cm breit und 61 cm tief, gehört die 800 D 3 – trotz ihres Preises von exakt 30 000 Euro das Paar – zu den wohnraumfreundlichsten Lautspre- chern in der Geschichte der High Fidelity. Besonders im – vom Autor favorisierten – schwarz glänzenden Finish.

Obwohl sie in der Weltelite die Führungsposition einnehmen, erschlagen die 800er ihre Besitzer nicht mit einem monströsen »Telefonzellen-Design«, das in dieser Preisklasse den Boxenbau dominiert. Einen Lautsprecher lediglich auf seine Chassis-Bestückung zu reduzieren, schickt sich nicht, aber berichtenswert ist schon, was die Briten ihrem Flaggschiff spendierten.

Der Stoff, aus dem akustische Träume sind Schon ein paar Jahre im Markt, aber immer noch ein totales Faszinosum: der Hochtöner mit einer 25-mm-Diamantkalotte. Auf diesen edlen und in der Herstellung kompliziert zu erstellenden Werkstoff setzt bekanntlich nicht nur Bowers & Wilkins. Abwandlungen oder – sagen wir es ehrlich : »Me-too-Produkte« finden sich inzwischen in vielen Boxen mit Referenz-Anspruch. Einige davon offerieren parallel zum Diamant-Hochtöner auch Tweeter mit herkömmlichen oder anderen Materialien.

In solchen Fällen ist es ziemlich einfach, Klang-Unterschiede aufzuspüren. Der Dia- mant klingt nicht etwa »heller und schneller« als Keramik – oder Gewebekalotten –, reproduziert vielmehr unangestrengter und somit richtiger als übliche Treiber. Den größten Sprung nach vorn dürfte B&W wohl einem sensationell effizienten Mem- bran-Material namens »Continuum« verdanken. Das silbrig schimmernde Gewebe folgt dem in die Jahre gekommenen gelben »Kevlar«, bislang eine Art Markenzeichen der britischen Schmiede.

Oft beklagen Leser, dass relativierende Aussagen über die Klangqualität einer Komponente nicht etwa in den aktuellen Tests verkündet werden, sondern stets erst dann, wenn das Produkt vom Markt genommen wurde.

Nicht, dass die älteren B&Ws schlecht oder gar falsch in den Mitten aufgespielt hätten – aber dieser berühmt-berüchtigte Schleier ist dank »Continuum« nun wie weggezogen. Auf Dauer, sei denen, die sich daran gewöhnt hatten, zugerufen, birgt mehr Auflösung eine intimere Auseinandersetzung mit Musik.

Beide Treiber – mit identischen Durch- messern – setzt Bowers auch bei der kleine- ren Schwester 802 D3 ein, bei den Tieftö- nern wächst dieser allerdings um 5 cm auf 230 mm in der 800er. Auch hier sei darauf verwiesen, mit welchem Material die jeweils zwei Membranen ihre Tiefton-Ak- robatik-Kunststücke absolvieren : »Aero- foil« nennen die Zauberer aus Steyning, dem Entwicklungs-Zentrum von B&W, die- sen Wert-Stoff. Man vergleiche einmal das Ein- und Ausschwingverhalten bei 1,5 kHz von Aerofoil-Membranen mit sehr guten anderen – hier verdammt nah am Ideal, dort chaotisch und undisziplinierter. Diese sich von »unten bis oben« durchziehende Akkuratesse zeichnet diesen Lautsprecher aus, darauf haben Fans vielleicht ihr gan- zes HiFi-Leben gewartet, dafür die Konten zu plündern oder darauf zu sparen, lohnt sich allemal.

Buch der Wahrheit An der Spitze der High Fidelity wachsen Klangbilder wie- der zusammen, auch im Lautsprecher-Bau. Schon deshalb, weil grandiose Entwickler – völlig gleich, wer ihr Arbeit-Geber ist – sich alle dem gleichen hehren Ziel verpflichtet fühlen. Ob sie Hornsysteme, Flächenstrahler oder dynamische Boxen ersinnen und fertigen. So betrachtet, ist der Bowers & Wilkins 800 D3 nicht der beste, sondern einer der besten Lautsprecher in der Geschichte. Dennoch ist B&W mit ihrem aktuellen Top-Produkt allen anderen überlegen: Kein anderer Hersteller schafft diese Performance mit solch moderaten Abmessungen und – was noch wichtiger für die meisten Fans und Freaks sein dürfte – nicht zu diesem Preis. Und der ist aktuell 17.000 Euro.

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