Accuphase E-270, Vollverstärker

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Man muss sich hüten, nicht in die Falle zu tappen. Seit Jahrzehnten beschrei- ben, bewerten, loben ganze Heerscharen von Testern die Eigenschaften der »kleinen« Vollverstärker von Accuphase. Die schreibende Zunft kämpft mit einem Problem: Wirklich Neues wissen die Autoren von heute nicht zu berichten. Oder doch? Weshalb der neue E-270 total überraschte.

Jeder High Ender, der sein Hobby ernst nimmt und über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, ließ ihn irgendwann mal hinter sich: den Vollverstärker. Das mit Vorstufe und Leistungssektion unter einer Haube werkelnde, Aufgaben entgegennehmende und verteilende Zentral-Gestirn einer HiFi-Anlage wich getrennt operierenden Komponenten. Wer diesen Schritt ging und dem Integrierten Lebewohl sagte, denkt nicht im Traum daran, Aufgetrenntes wieder zusammenzufügen.

Je einfacher, desto klanglich überzeugender ? Und widerspricht damit – gewollt oder ungewollt – HiFi-Wahrheiten, die er ansonsten predigt: Kurze Signalwege sind besser als lange. Oder : Je ausgefuchster ein Kabel, desto weniger nimmt es Einfluss auf den Klang … In diesem Sinne wäre das allerbeste Kabel eines, das überhaupt nicht vorhanden ist.

Sie ahnen, worauf der Autor hinauswill: Einen Vollverstärker wie den E-270 von Accuphase als Markierung auf dem Weg nach »noch weiter oben« zu kennzeichnen, ist genau so hirnrissig, wie ihn als »Kompromiss« einzuordnen. Die Wahrheit ist bitter und dürfte dem einen oder anderen Audiophilen sogar »sauer aufstoßen«: Viele, sehr viele der Kombinationen aus Vor- und Endverstärker passen weder elektrisch noch akustisch optimal zusammen. Sie sind die wirklich kompromissbehafteten Bausteine, nicht ein Vollverstärker vom Schlage dieses genialen E-270. Denn wer eine großartige Komponente A mit einem nicht minder gut beleumundeten Gerät B paart, kann im Ergebnis in der akustischen Sackgasse landen – weil A und B eben nicht füreinander sind. Wer dann zu allem Übel zum falschen Kabel greift, verliert nochmals. Solch ein Equipment stresst, erlaubt keine Freudensprünge und verhindert letztlich denS paß an der Musik.

Am Ende zählt die Wahrheit Ach herrje, wer sich nun vielleicht angesprochen wähnt, da das bestehende System im heimischen Wohnzimmer stets eine Art »Rest Zweifel« beschwor,greife zu einem einfachen, sehr effizienten Mittel:Er beschaffe sich genau den Accuphase E-270 und stelle die eigenen Gerätschaften kurz außer Dienst. Aber Vorsicht – das kann verdammt wehtun. Wenn nämlich der vermeintlich »kleine« Accuphase dramatisch homogener, spielfreudiger, richtiger, authentischer, klangfarben- stärker, dynamischer die Lautsprecher versorgt als die bisherige Kombi. Allein die unglaubliche Ruhe, der – technisch betrachtet – gigantische Störabstand, sorgt gerade in leiseren Passagen für eine atemberaubende Durchhörbarkeit, selbst mit geringen Pegeln auch schon weit, weit unterhalb der geschmähten Zimmerlaut- stärke.

Nicht der Preis entscheidet, sondern die Qualität Mit der richtigen Box an der audiophilen Leine – das »HiFi & Musik Journal« hörte den japanischen Traum sowohl mit der kompakten (und preislich passenden) 805 D3 von Bowers & Wilkins wie auch mit deren Flaggschiff-Verwand- tem 800 D3 – tönt dieser Amp groß, mächtig und souverän. Dabei lohnt es, die mit dem E-270 geschmiedete Kette mit einem weiteren Familien-Mitglied aus dem glei- chen guten Hause zu koppeln: Diese unfassbar den Hörer in den Bann ziehende Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit in der Reproduktion empfand die Jury tat-sächlich immer dann am zwingendsten, wenn der CD-Player DP 430 den E-270 bediente. Besonders gefiel, dass der 430 auch über digitale Input-Schnittstellen verfügt. So ließen sich beispielsweise diverse Streamer andocken, die mit unter- schiedlichen Formaten den 430 forderten. Zwar »versteht« der Accuphase aktuell nicht »MQA« , wenn allerdings ein entsprechendes Signal via Tidal parat stand, löste der integrierte Wandler bis hin zu 24 Bit und einer Sampling-Frequenz von 48 kHz auf. Wahnsinn. Mit diesem edlen Top- Player vorneweg fiel die Entscheidung, wel- che Aufrüst-Option am E-270 zu wählen ist, natürlich leicht. Es gibt sowohl einen Einschub für einen Digital-analog-Wandler wie auch einen für die Aufbereitung von MM- und MC-Tonabnehmern. Aufgepasst: Mit dem derart bestückten Accuphase E-270 läuft man glatt Gefahr, seinen Plattenspieler nicht wirklich wiederzuerkennen: Wenn bislang ein gewisses Rauschen und auch ein leichter Brumm stets den Musik-Genuss eintrübten, werden diese Begriffe dank des Phono-Moduls im 270 zu Fremdwörtern.

Voll-Verstärker im umfassenden Sinne

Dass beide Accuphase mit einer überragenden Anfass-Qualität aufwarten, ist keine Überraschung. Nicht nur vorder-, sondern auch hintergründig. Allein diese göttliche Lautstärke-Regelung, die Pegel allerfeinst dosiert, prinzipiell keine Kanal-Ungenauig- keiten kennt und so etwas von praxis- gerecht ausgelegt ist, stellt dahinter ein komplexes technisches Meisterwerk dar, wie es in dieser Stringenz nur im High- End-Olymp zu finden ist.

Last, but not least offeriert der E-270 einen Service, den viele Amps bereits seit Jahren eliminierten und der auf einmal wieder wichtig wurde: eine Tape-Monitor- Schaltung mitsamt entsprechenden, rück- seitig angebrachten Buchsen, die eine echte Hinterband-Kontrolle bei wieder in die Mode gekommenen Open-Reel-Band- maschinen und ambitionierten, dreiköpfigen Cassettendecks erlauben. Keine Selbstverständlichkeit also, und der Autor konnte so wiedergeborene Legenden wie eine Revox A 77 oder eine Tandberg TD 20A ohne (faule) Kompromisse betreiben.

Was uns die aktuelle Auseinandersetzung alles lehrt: 1. Ein exzellenter Voll- verstärker kann absolut besser klingen als eine Kombination nicht optimal zuei- nander passender, auch sehr viel teurerer Vor- und Endverstärker. 2. Accuphase setzt nicht auf Klangeffekte oder gar Sound, sondern stellt auch sicher, dassbeispielsweise Störabstände überhaupt kein Thema mehr sind. 3. Klanglich definieren die Japaner das Maß der Dinge. Dabei ist 4.scheinbar völlig egal, ob ein »kleiner« oder »großer« Baustein auf dem Prüfstand steht. Dabei gilt die Faustregel, dass 5. die noch aufwendigeren, aber eben auch noch kostspieligeren Geräte von Accuphase noch weitere, kleinere Schritte in Richtung »Ideal« gehen. Doch was für den einen ein kleiner Schritt ist, bedeutet für den anderen eine »andere Welt«. Das ist Ansichtssache. Die Überlegenheit der Technologie ist indes keine.

Der Accuphase E-270 kostet knapp 5000 Euro.

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