Accuphase C-2450, Vorverstärker

Die Begeisterung für eine Kom­ponente endet spätestens dann, wenn sie akustisch von einem preis­lich günstigeren Gerät übertroffen wird. Dann endet der Referenz­ Status. Tröstlich ist, dass es bis dahin oftmals lange Jahre dauern kann. Im aktuellen Fall sogar Jahr­ zehnte. Aber irgendwann passiert es, unvermittelt, unverblümt und überraschend.

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C-2450, aktueller Preis 12.200 Euro

Dass sich in letzter Zeit immer mal wieder Leute aus der Branche, welche den Autor besuchen, auffällig für einen Vorverstärker aus dem letzten Jahrtausend, der bei mir seit weit über 20 Jahren seinen Dienst verrichtet, interessieren und fragen, ob ich den nicht verkaufen mag, freut mich natürlich. Aber ich denke nicht im Traum daran. Ich dachte nicht daran, trifft es besser. Denn bis dato konnte kein Herausforderer ernsthaft an den klanglichen Höhenflügen dieses alten Amps rütteln. Meine Cello Audio Suite, gerüstet mit zwei Hochpegelmodulen sowie einer MM- und einer MC-Stufe, muss sich jetzt vielleicht auf den Abschied oder den längst verdienten Ruhestand vorbereiten: Seit 1995 konnte sie alle Herausforderer locker abwimmeln, nun trifft sie zum ersten Mal auf einen Sparringspartner, der ihr in weiten Teilen überlegen ist. Weshalb ist das (für mich) von enormer Wichtigkeit? Jede Kette sei so stark wie ihr schwächstes Glied, wissen Volksmund und HiFi-Kenner.

Premiere einer Legende Und die Antwort darauf, was denn nun das stärkste sei, fällt gemeinhin so aus: Je nach audiophiler Ausrichtung weisen die einen erst einmal auf die Tücken und Chancen der Raumakustik hin. Andere deuten auf Lautsprecher oder Quellen (… dürften die meisten sein), eine mitunter militante Minorität glaubt an Kabel, Accessoires und Voodoo. Aber wer gehört denn wirklich auf den akustischen Chefstuhl?

Für mich, nach all den vielen Erfahrungen, ist es definitiv der Vorverstärker. Alles weitere davor, dahinter, darunter, darüber und daneben trägt zum Erfolg des Ganzen unbedingt bei, aber die Weichen stellt halt der Preamp. Im Verstärker-Ressort ist er Master und die Endstufe Slave. Sie können die flinkste, stärkste und meinetwegen auch teuerste Endstufe unter der Sonne in Ihre Kette integrieren – wird sie von einer durchschnittlichen Vorstufe gefüttert, verhungert sie akustisch, dürfte ihr Geld nicht wert sein.

Prioritäten setzen Mit einer außergewöhnlich guten gehen ganz andere Rechnungen auf: Eine wahre Top-Vorstufe diktiert selbst mittelmäßigen Kraftverstärkern, was sie akustisch zu tun oder zu lassen haben. Meine Cello verstand sich beispielsweise prima mit einer Tannoy TA 600 aus dem Profilager – eine prächtig »funzende« Konstellation. Dabei war das finanzielle Investment in diese Endstufe ausgesprochen bescheiden.

Als aufgeklärter Leser wissen Sie, dass die Klangbeschreibung einer einzelnen Komponente ohne Spezifizierung und letztlich Würdigung des gesamten wiedergeben- den Equipments zumindest eins, nämlich fragwürdig, ist. Wie oft waren Sie beispielsweise schon enttäuscht, wenn ein sonnig beschriebenes Gerät in Ihrer Konfiguration allenfalls ein Schattendasein fristete?

Im Fall der Accuphase C-2450 ist es anders. Das im HiFi & Musik Journal abgegebene Leistungsversprechen wird sicher eingehalten. Punkt. Weil, siehe oben, der Vorverstärker eine Anlage dominieren und mitreißen kann, wenn er in der Champions League spielt.

Technische Daten sind kein Selbstzweck Es gehört zu den Traditionen von Accuphase, eine Neuschöpfung grundsätzlich mit dem Vorgänger zu vergleichen. Nicht akustisch oder mithilfe blumiger Marketinghülsen, sondern buchhalterisch nüchtern mit Blick auf technische Daten. Nun könnte man einwerfen, dass Nachkommastellen von Werten wie Störabständen oder Verzerrungen wenig bis nichts über den zu erwartenden Klang aussagen – aber im Laufe der Jahre und Geräte-Generationen addieren sich diese kleinen Schritte und zeigen den Weg, der sich im Falle von Accuphase immer geradlinig dem Ideal nähert.

Diese Klang-Politik der kleinen Schritte ist nachvollziehbar und trägt letztlich besonders (aus)gereifte akustische Früchte, welche die High Fidelity, Ressort »High End« nach vorne bringen. Stellen Sie sich vor, HiFi wäre ein mehrstöckiges Haus. Da hausen im Keller fragwürdige, technisch instabile Konsorten, im Parterre hält man sich wenigstens an Regeln, und mit jedem, in der Regel immer teurer werdenden Stockwerk steigt auch der Grad der Performance. Und ganz oben im edlen High-End-Penthouse befindet sich das ominöse »letzte Zimmer«. In dem die großen Baumeister nicht nachlassen, die Wände noch ein Jota weiter zu verschieben. Das ist der Platz von Accuphase.

Keine Pegel-Kompromisse Mit der C-2450 unterstreichen sie nachdrücklich, dass sich die Entwicklung in der High Fidelity eben nicht (nur) im Kreis dreht, sondern vorwärts.

Dabei profitiert der 2450 von einem Gerät, das in der Hierarchie der Japaner darüber thront, dem deutlich teureren Modell 2850, wenn man so will, dem Technologie-Träger der Firma. Von dem über- nahm der 2450 beispielsweise die ausgeklügelte und unübertroffene Lautstärkeregelung namens AAVA, deren voll analoge Schaltung »das Signal in 16 verschieden gewichtete Ströme wandelt, die in Abhängigkeit von der Position des Lautstärkereglers kombiniert werden, um den Ausgangspegel festzulegen«, lese ich im Prospekt der Japaner. Aha, das muss ich glauben, überprüfen kann ich das nicht. Nur so viel: Nicht nur die Haptik des satt zu bedienenden großen Pegelstellers ist erhaben, sondern vielmehr der akustische Ertrag. Die Cello schätze ich auch deshalb, weil sie mit geringstem Pegel genauso stimmig wie mit höchstem spielt. Das realisiert der Ami-Amp mit einer Armada von selektierten Widerständen. Vorstufen mit Potentiometern oder elektronischen Regelungen, analog wie digital, schienen mir nur in bestimmten Pegel-Bereichen ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen.

Weniger ist mehr? Von wegen! Meist wachte so ein Vorverstärker erst ab Stellung »9 Uhr« auf, um spätestens gegen »11 Uhr« seine Komfort- oder Wohlfühlzone wieder zu verlassen. Wen wundert’s bei günstigen oder gar billigen Vorstufen, doch auch mit den ultrateuren, allen voran dem Dynaudio »Arbiter«, musste man diese Einschränkungen hinnehmen.

Der C-2450 verhält sich in dieser Disziplin nicht nur »ideal« , Genusssteigernd dürften die sensationellen Störabstände sein – spätestens mit Blick darauf gerät eine betagte Cello ins Hintertreffen.

Was sie bislang als »akustisches Ass« im sprichwörtlichen Ärmel vor einer Degradierung bewahrte, sind die vorzüglichen Phono-Module für MC- und MM-Aufbereitung. Die tönen nun nicht schlecht, aber die optionale Phono-Einheit AD-2850 für knapp unter 3000 Euro erreicht auch deren Niveau mit dem leichten Vorteil insgesamt besserer Rauschabstände. Advantage Accuphase: Features wie die Wahlfreiheit des Verstärkerfaktors (12, 18 und 24 dB) oder die mittlerweile wieder dringend benötigten Recorder-Schalter für Aufnahme und Wiedergabe von Tonband-Maschinen, ein weiterer für Phase, und Mono (!) und nicht zuletzt die abschaltbare, subtil eingreifende Klangregelung, ein praxistaugliches »Rumpelfilter« und sogar eine Loudness- Funktion überraschen und erfreuen.

Mekka für Vinyl-Fans Dass die Phono-Unit die Signale von zwei Tonabnehmern standesgemäß verstärkt (um 30 und 40 dB mit MM- und 60 und 70 dB mit MC- Systemen) und die Eingangs-Impedanz der Moving-Coil-Sektion mit 10, 30, 100 und 300 Ohm justierbar ist, bestärkt den Führungsanspruch des Japaners.

Der C-2450 konnte ich in verschiedenen Konfigurationen auf den Zahn fühlen, inklu- sive der nunmehr eingestaubten Tannoy TA 600. Ein klasse Gespann, eines, das meine Theorie von der Allmacht des Vorverstärkers prima bestätigte. Auch der Wechsel zum anderen Extrem, der mit 50 000 Euro geradezu unverschämt teuren »Frans de Wit Signatur One« bestärkte mich auf großartige Weise. Und dazwischen, preislich näher an der Tannoy, aber akustisch eher auf Ohren-Höhe der »Signatur One«, die Accuphase A-47.

Dass sie sich in diesem Artikel mit weit weniger Zeilen begnügen muss als ihr Vorstufen-Partner, hat einen trivialen Grund: Ich habe eine zweite A-47 bestellt, um sie entweder gebrückt oder im Bi-Amping- Modus zu testen. Zwar dürfte die Kraft- ausbeute einer A-47 für die allermeisten Schallwandler ausreichen, aber darum geht es gar nicht. Aus vergangenen Tagen weiß ich, dass eine gebrückte Endstufe von Accuphase tatsächlich noch leichtfüßiger, souveräner und stimmiger ihre Aufgaben erfüllt. Dass ich überhaupt darüber nachdenke, das Experiment anzugehen, liegt an der Klangqualität schon einer A-47, die mit 10500 Euro teuer, aber alles andere als überteuert ist. Vergessen Sie mal für einen Moment die Litanei der ach so teuren Komponenten aus Japan. Wenn ich die A-47 mit verschiedenen Lautsprechern, beispielsweise der DARC 100 von Gauder, betreibe, dann empfinde ich den genannten Preis als angemessen, vertretbar und im Vergleich zum Mitbewerb sogar als »günstig«. Welches Potenzial ist da womöglich noch vorhanden? Lohnt es sich, auf eine zweite A-47 zu sparen? Welche Stufe im Verstärker Olymp lässt sich damit erklimmen? Vielleicht, unbeschadet des Preises, die ganz oben. Es würde mich nicht wundern.

High End ist eine Mission, die niemals endet: Wir stellen unsere Komponenten auf den persönlichen Prüfstand und überlegen, ob wir alles richtig gemacht und das sauer verdiente Geld auch gut anlegt haben. Dass Geräte für die Ewigkeit gebaut seien, ist eine Mär. Aber sie halten deutlich länger als jedes Auto und sind im Vergleich dazu meist deut- lich günstiger.

Was aber noch wichtiger ist: Sie bereichern tatsächlich unser Leben. Damit diese Freude nicht nachlässt, sollte man sich ab und zu umhören, ob es nicht bessere Komponenten als die eigenen gibt – und daraus die Konsequenzen ziehen.

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